Medien : Twitter unser

Die Kirchen nutzen zunehmend auch das Internet zur Verkündigung. Einer der aktivsten evangelischen Blogger ist der Pfarrer Alexander Ebel. Im Interview erzählt er, wie zum Beispiel ein elektronisches Abendmahl funktioniert.

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Alexander Ebel

war einer der ersten deutschen Pfarrer, die es ins Internet zog. Der 39-Jährige ist im Hauptberuf persönlicher Referent des pfälzischen Kirchenpräsidenten Christian Schad. Schon 2006 richtete er einen der ersten kirchlichen Podcasts ein. Seit 2010 kümmert er sich um die Auftritte seiner Landeskirche bei Twitter und Facebook, richtete ein Kirchenblog ein – und hat selbst mittlerweile rund 1600 Twitter-Follower. Manchmal feiert er auch Gottesdienste im Internet.

Das Gespräch mit ihm führte Benjamin Lassiwe.

Herr Ebel, wie feiert man Internetgottesdienste?

Man braucht dazu eine Kirche und einen Gottesdienst in der Kohlenstoffwelt. Ich habe bislang bei zwei Twitter-Gottesdiensten mitgewirkt, die in einem Gemeindesaal und einer Kirche in Frankfurt stattgefunden haben. Bei diesen Gottesdiensten wurden Liturgie und Predigt getwittert, und Gottesdienstteilnehmer loggten sich mit ihrem Handy oder ihrem iPad von überall her in den Gottesdienst ein. Ich selbst hatte im Gottesdienst mein iPad dabei: Damit erlebte ich Gemeinschaft doppelt – mit den Menschen, die mit mir in der Kirche beteten, und mit denen, die sich mit Tweets am Gottesdienst beteiligten.

Könnte das Internet vielleicht auch ein Kirchengebäude ersetzen?

Das denke ich nicht. Das Kirchengebäude bringt eine eigene Atmosphäre in den Gottesdienst hinein. Da bekommt der Glaube eine Erlebnisebene, die im Internet nicht umzusetzen ist. Aber wir wissen natürlich nicht, wie die virtuellen Welten der Zukunft aussehen. Welche Gefühle und welches Erleben von Gemeinschaft dort künftig möglich sind.

Kann es so etwas wie eine reine Onlinegemeinde geben?

Das ist derzeit kirchenrechtlich ausgeschlossen. Aber es gibt natürlich eine Parallele: Die Fernsehgottesdienste, die seit Jahrzehnten Sonntag für Sonntag in Deutschland stattfinden und wo sich wöchentlich zehntausende Menschen vor dem Fernseher versammeln. Diese Gottesdienste sind in Deutschland etabliert, und ich hoffe, dass sich die Internetgottesdienste genauso etablieren. Zumal man bei ihnen etwa über Twitter aktiv mitwirken kann ...

Twittert man dann „Amen!“?

Ja, und noch mehr: Bei den Twittergottesdiensten, bei denen ich mitgemacht habe, hat der Prediger die Gläubigen in der Predigt zweimal direkt einbezogen. Zum Beispiel hat er sie gefragt, wo sie im Alltag beten. Die Antworten, die via Twitter kamen, wurden in der Kirche dann über einen Videobeamer an die Wand projiziert. Und dann gibt es die Fürbitten: Viele Menschen würden sich in einem herkömmlichen Gottesdienst nie trauen, zum Altar zu gehen und ihre Gebetsanliegen vor der Gemeinde zu formulieren. Mit den sozialen Netzwerken geht das. Da gibt es ganz intensive, persönliche Gebete, die dort entstehen. Den Menschen fällt es dort leichter, sich in den Gottesdienst einzubringen.

Was ist mit dem Abendmahl? Geht das auch im Internet?

Ein ehrenamtlicher Prediger der hessen-nassauischen Landeskirche hat das mal probiert. Wer mochte, konnte via Videostream an seinem Gottesdienst teilnehmen, Brot und Wein neben den Computer stellen und nach den Einsetzungsworten verzehren. Darüber gab es im Internet eine intensive Diskussion. Ich glaube schon, dass ein Abendmahlsgottesdienst im Internet theoretisch möglich wäre – zu einem gültigen Sakrament gehören das äußere Zeichen und das göttliche Wort, und beides wäre in diesem Fall ja gegeben. Und man müsste sicherstellen, dass immer jemand da ist, mit dem zusammen man das Abendmahl feiert: Man kann sich schlecht selbst das Brot brechen und den Wein austeilen. Aber ich denke, da sind noch viele Fragen offen.

Hat die Kirche insgesamt die Bedeutung des Internets und der sozialen Netzwerke erkannt?

Wenn man sich heute in den sozialen Netzwerken umschaut, findet man dort eine doch beträchtliche Anzahl von Pfarrern ebenso wie zahllose engagierte Christen, die sich dort tummeln und dabei auch über ihren Glauben Auskunft geben. Viele nutzen das Netz, um über Ereignisse in ihren Kirchengemeinden zu schreiben oder um miteinander zu diskutieren. Aber das ist nur die eine Seite: Auf der Ebene der Institution Kirche kann man immer noch mehr machen. Da sind wir längst noch nicht weit genug dabei. Die eine oder andere Landeskirche hat mittlerweile ihren Auftritt bei Facebook und Google Plus, aber heute nehmen zum Beispiel auch Netzwerke, in denen man seine Bilder postet, immer mehr an Bedeutung zu. Da muss sich die Kirche permanent überlegen, welche Formen der Glaubenskommunikation hier funktionieren.

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