Übertragung aus Sotschi : Gold, Geld, Gauck

ARD und ZDF wollen aus Sotschi so umfangreich berichten wie noch nie von olympischen Winterspielen - und gleichzeitig sparen.

Kitsch mit Katrin Müller-Hohenstein. Die ZDF-Moderatorin posiert vor einem Werbeplakat für die olympischen Winterspiele in Sotschi.
Kitsch mit Katrin Müller-Hohenstein. Die ZDF-Moderatorin posiert vor einem Werbeplakat für die olympischen Winterspiele in...Foto: dpa

ARD und ZDF haben sich für Sotschi viel vorgenommen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wollen von Olympia so umfangreich berichten wie noch nie bei Winterspielen und dabei besonders kritisch sein. Auch soll kräftig gespart werden.

Mehr bewegte Bilder als aus Vancouver

Olympia-Fans können aus Sotschi noch mehr bewegte Bilder sehen als vor vier Jahren in Vancouver. ARD und ZDF übertragen fast 740 Stunden aus Russland. 240 Stunden zeigen die Sender im klassischen Fernsehen. Zusätzlich werden im Internet vier Livestreams angeboten. Das Online-Angebot umfasst rund 500 Stunden. „Oberste Priorität hat wie bei allen Sportgroßereignissen die Live-Berichterstattung“, lautet die Devise der öffentlich-rechtlichen Sender. „Das ist ein Sportereignis, wir wollen den Zuschauern Freude machen“, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey bei der gemeinsamen Vorstellung des Programms am Dienstag in München. Wahr sei auch, dass das Putins Spiele seien.

Gigantismus, Korruption, Doping

ARD und ZDF sicherten zu, „auch die Kehrseiten der olympischen Medaillen“ zu präsentieren: „Die Missachtung der Rechte von Minderheiten, die mögliche Überwachung von Athleten, Umweltskandale, Kostenexplosion und Gigantismus, Korruption, Doping.“ Diese Themen sollen „im Fokus einer kritischen Begleitberichterstattung“ stehen.

„Wir wollen nicht die Freude am Sport vergällen."

„Wir werden Olympia nutzen, mikroskopisch genau hinzuschauen“, kündigte ARD-Programmdirektor Volker Herres an. „Wir wollen die große Aufmerksamkeit nutzen, um auch den Spot auf solche Dinge zu richten.“ Herres betonte allerdings auch: „Wir wollen nicht die Freude am Sport vergällen. Im Zentrum steht der Sport und die Freude am Wettbewerb.“ Den Verzicht von Bundespräsident Joachim Gauck auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen wollten die Senderverantwortlichen nicht kommentieren. „Es steht mir nicht an, die Entscheidung des Bundespräsidenten zu kritisieren“, sagte Herres. „Er hat sicher ein Zeichen gesetzt“, auch wenn er in seiner Begründung nicht deutlich geworden sei. ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärte: „Wir werden die Spiele nicht boykottieren, sondern über die sportliche Seite angemessen berichten.“ Er kündigte aber angesichts der politischen Lage in Russland an: „Journalistisch werden wir uns auch kritisch damit auseinandersetzen.“

Wenn ARD und ZDF schreiben, „Geld scheint keine große Rolle zu spielen“, gilt das für die Olympia-Organisatoren. Die Sender selbst wollen dagegen sparsam sein. Sie versprechen zumindest „die konsequente Nutzung von Synergien im personellen und technischen Bereich“ sowie „eine intensive Zusammenarbeit bei Organisation und Logistik“. Für die Moderation teilen sich die Sender erstmals ein Studio. Ein gemeinsames Mini-Studio nutzen die Sender zudem im „Deutschen Haus“. „Das Ziel, über Synergien die Kosten zu senken, wurde klar erreicht“, versichern die Sender, nannten aber keine genaue Zahlen.

110 Millionen Euro für TV-Rechte

Unter zehn Millionen Euro sollen die Ausgaben für die Berichterstattung von den Winterspielen pro Sender liegen. Im Vergleich zu den TV-Rechten, die für Sotschi und die Sommerspiele in Rio 2016 geschätzte 110 Millionen Euro betragen, ist das ohnehin der kleinere Teil.dpa/jbh

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