Ukraine-Berichterstattung in der ARD : Tagesschau-Chef bloggt "Selbstkritik"

Kai Gniffke sieht einige Fehler, vor allem aber viel gute und richtige Arbeit in der Redaktion. Die Korrespondenten nimmt er ausdrücklich in Schutz. Künftig soll aber offengelegt werden, wenn etwas nicht bekannt ist.

Joachim Huber
ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke reagiert auf Zuschauerkritik an der ARD-Berichterstattung
ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke reagiert auf Zuschauerkritik an der ARD-BerichterstattungFoto: NDR

"Der Pulverdampf über der Ukraine hat sich erst einmal verzogen." Schreibt ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke in seinem Blog auf tagesschau.de. "Und allmählich auch der Pulverdampf der emotionsgeladenen Diskussion über die Ukraine-Berichterstattung." Also wird in der ARD-aktuell-Redaktion, die die "Tagesschau" und die "Tagesthemen produziert, zwischenbilanziert. Mit rund 30 Redakteurinnen und Redakteuren wurde die Kritik von Nutzern, Zuschauern und Aufsichtsgremien diskutiert. Erstes Fazit: "Die Kritik an unserer Ukraine-Berichterstattung hat ein Echo von bislang ungekanntem Ausmaß hervorgerufen." 

Sicherlich seien ein Teil davon "gesteuerte Kampagnen und Spielwiese für Verschwörungstheoretiker", aber eben nur ein Teil. "Deshalb nehmen wir Kritik sehr ernst. Wir widersprechen aber ganz energisch den Vorwürfen einer gezielten Desinformation oder beabsichtigten Manipulation von Informationen in der "Tagesschau'", schreibt Gniffke. Es gebe keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen oder in der Berichterstattung nun gar "gegenzusteuern”.

Als "Selbstkritik" listet Gniffke folgende Punkte auf. "Mit dem Wissen von heute hätten wir manchen Akzent anders gesetzt und manche Formulierung anders gewählt (hinterher ist man halt schlauer)." Möglicherweise sei die Redaktion zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt. "Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen." Der falsche Hubschrauber sei sehr ärgerlich gewesen, "aber wir sind damit wenigstens richtig (weil transparent) umgegangen." Vielleicht, schreibt Gniffke, haben wir die russischen Interessen zu wenig für den deutschen Zuschauer "übersetzt". "Wir hätten evtl. die Nato-Position noch kritischer hinterfragen können."

Nach Gniffkes Blogeintrag sind bei der internen Diskussion die Korrespondentinnen und Korrespondenten vor Kritik in Schutz genommen worden. Sie hätten unter physisch und psychisch äußerst strapaziösen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Sie hätten zu jeder Zeit gewissenhaft recherchiert. "Die Korrespondenten verdienen unseren Respekt und unsere Rückendeckung", schreibt der ARD-aktuell-Chefredakteur.

Was wird? "Wir sollten noch klarer offenlegen, wenn wir etwas nicht (!) wissen." Oft helfe die Frage “Wem nützt es?”, um mögliche Manipulationen von Informationen zu erkennen. "Vor allem aber haben wir uns heute eines vorgenommen: Wir werden auch künftig Kritik nicht einfach an uns abtropfen lassen, sondern uns immer wieder prüfen, ob wir richtig liegen."

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