Medien : Ulbricht beim Ping-Pong

Kerstin Decker

Damals in der DDR (1). MDR. Der MDR hat eine neue Reihe. Der Titel klingt ein wenig wie die Ankündigung eines Märchenerzählers. Oder kommt jetzt ein Anekdoten- Stadl? Vielleicht will der MDR auch nur andeuten, dass das alles nun schon sehr lange her ist, weshalb sich keiner mehr aufregen braucht. Denn das mag der MDR gar nicht - Aufregung. Er ist eher von einer versöhnenden Gesinnung.

Die erste Folge hieß "Die Ulbricht-Attentäter von Steinbach", Hauptdarsteller waren mehrere Biergläser, eine Schachtel "Cabinet" sowie eine Schachtel "Karo". Letzteres sind beide Zigarettenmarken, die die DDR überlebten, die eine noch viel ungesünder als die andere. Hingegen musste man zur Visualisierung einer Flasche Rotkäppchen-Sekt bereits auf die Etiketten einer späteren Ära zurückgreifen. Der MDR stand vor der Aufgabe, folgende Geschichte zu bebildern: Als Walter Ulbricht noch die DDR regierte, fuhr er oft in den Thüringer Wald, ins Regierungssanatorium "Heinrich Mann". An dieser Stelle kommt die Szene ins Bild, wegen derer wir nicht bereuen, "Die Ulbricht-Attentäter von Steinbach" gesehen zu haben: Ulbricht spielt mit Lotte Tischtennis im Erholungsheim. Nun gut, es sieht ein wenig wie Ping-Pong aus, aber wurde in der DDR je etwas anderes gespielt? Unmittelbar neben dem Regierungsheim, nur ein Dorf weiter, gingen Angehörige der Partei- und Staatsführung einmal in eine Kneipe - Bier und Zigaretten! -, und hörten Worte, vor denen sie tief erschraken: "Kommunistensau!" oder "Kommunisten werden erschossen!" Okay, die Steinbacher hatten mal im kleineren Kreis überlegt, ob man den Ulbricht nicht wirklich erschießen sollte. Was einem so für Gedanken kommen bei - Bier und Zigaretten. Verschwörung in Steinbach!, erkannte die Staatssicherheit, und Verschwörern ging es übel in der DDR.

Die Bild-Intelligenz dieser Auftakt-Sendung von Michael Erler entsprach genau der Anmut von Walter Ulbrichts Ping-Pong- Spiel, weshalb wir der nächsten Folge: "Geraubte Kinder-Zwangsadoption in der DDR" mit einer gewissen Furcht entgegensehen.

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