• Umgang unter Kollegen: Studie: Deutsche Journalisten kritisieren sich gegenseitig wenig

Umgang unter Kollegen : Studie: Deutsche Journalisten kritisieren sich gegenseitig wenig

In ihren Texten mögen deutsche Journalisten kritisch sein - wenn es aber um die Kollegen geht, sind sie eher zurückhaltend. Nicht nur mit Kritik.

In deutschen Redaktionen ist Kollegenkritik selten. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag vorgestellte Studie des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus an der TU Dortmund. Nur acht Prozent der 279 befragten deutschen Journalisten – insgesamt waren es 1762 Medienmitarbeiter aus zwölf europäischen und zwei arabischen Ländern – gaben an, häufig Kollegen zu kritisieren. Mehr als die Hälfte bekommt selbst nur selten Kritik. Deutschland ist damit Schlusslicht im internationalen Vergleich. So kritisieren mehr als 70 Prozent der Schweizer Journalisten häufig Kollegen, in den Niederlanden knapp die Hälfte. Auch Lob kommt in deutschen Redaktionen zu kurz.

Bei der Studie wurde auch erhoben, wie Medienmacher die Organe zur Selbstkontrolle der Medien sehen. Den Selbstkontrollinstrumenten wie beispielweise dem deutschen Presserat als Wächter über die Einhaltung ethischer Prinzipien messen die Befragten aber keinen großen Einfluss zu.

Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) mahnte bei einer Diskussion über die Ergebnisse eine Öffnung der Selbstkontrollorgane an, was die personelle Zusammensetzung und das Aufgabenspektrum angeht. Bei der Selbstkontrolle müsse beispielweise auch die Frage nach Arbeitsbedingungen von Journalisten stärker berücksichtigt werden, forderte die Politikerin. „Wir dürfen nicht unterschätzen, welche Abhängigkeiten es in Medienhäusern heute gibt“, sagte sie. Es müsse thematisiert werden, dass darin eine Gefahr für den Qualitätsjournalismus besteht. Organe wie der Presserat sollten daher auch Personen aus Berufsgruppen abseits des Journalismus in ihren Beschlussgremien haben.

Der Geschäftsführer des Presserats, Lutz Tillmanns, zeigte sich für den Vorschlag offen. Wichtig sei aber, dass die Selbstkontrolle nicht in staatliche Verantwortung übergehe, sagte er. epd/Tsp

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