• Zitty
  • Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Berlin 030
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Urheberrecht : Melodien für Millionen

10.09.2012 07:23 Uhrvon

Melchior Rietveld schrieb ein Lied für einen Antipiraterie-Werbespot. Etwas Bombastisches hatte es sein sollen, sagte sein Auftraggeber. Doch dann wurde seine Komposition geklaut. Sie ging um die Welt – ohne dass er davon wusste.

Der Fall geht vor Gericht

Als der Chef von Buma-Stemra, Hain van der Ree, Ende 2011 ein mühsam anberaumtes Gespräch einen Tag vorher platzen ließ, wandten sich Storm und Rietveldt an die Presse. Ganz sauber gingen sie dabei nun auch nicht mehr vor. Aus dem Studio von „PowNews“, einer Nachrichtensendung auf „Nederland 3“, wo Aufnahmegeräte stehen, um Telefongespräche mitzuschneiden, riefen sie Jochem Gerrits an, eines der Vorstandsmitglieder von Buma-Stemra. Er kannte den Fall. Und er bot seine Hilfe an.

Gerrits, nicht nur Board-Mitglied bei Buma-Stemra, sondern auch Eigentümer des Labels High Fashion Music, würde sich im Vorstand für Rietveldt einsetzen. Das versprach er. Unter einer Bedingung. Rietveldt müsse bei Gerrits’ Label unterschreiben. Damit bekäme dieser, sollte er die Forderungen von Rietveldt im Vorstand durchdrücken, 33 Prozent des Geldes. Noch immer stand eine Summe von einer Million Euro im Raum. Gerrits erhielte mehr als 300.000 Euro. „Dafür, dass er seinen Job macht“, sagt Storm. „Es ist bizarr.“

Das Gespräch wurde im holländischen Fernsehen ausgestrahlt. Die Empörung war groß. „Korruption bei Buma-Stemra“ lautete die Schlagzeile in den Zeitungen, die Politik schaltete sich ein. Man wolle in Zukunft unterbinden, hieß es, dass ein Vorstandmitglied von Buma-Stemra gleichzeitig Betreiber eines Musiklabels sei. All dies schaffte jedoch nicht das Problem mit der Abrechnung aus der Welt. Was tun, wenn ein Unterhaltungskonzern seine Verkaufszahlen nicht zur Verfügung stellt?

Hein van der Ree ist vorübergehend für die Presse nicht zu sprechen. Verreist sei er, heißt es bei Buma-Stemra. Jochem Gerrits trat von seinem Posten zurück.

Der Fall „Rietveldt gegen Buma-Stemra“ ging vor Gericht. Im Februar 2012 wurde die Verwertungsgesellschaft aufgefordert, all ihre europäischen Tochterfirmen anzuschreiben, zudem alle Filmstudios, mit denen sie Verträge hat. Rietveldt bekam 20.000 Euro zugesprochen – unabhängig davon, was er am Ende von Buma-Stemra bekäme.

Statt der Aufforderung des Gerichts nachzukommen, drängten die auf eine Einigung. Buma-Stemra bot 60 000 Euro. Die Gegenseite setzte Rietveldt unter Druck. Nimm das Angebot an, sonst wird es teuer für dich. Melchior Rietveldt aber blieb hart. Bis heute weiß er nicht, auf wie vielen DVDs sein Song tatsächlich verbreitet wurde.

Auf dem Weg vom Restaurant zu seinem Haus erzählt Rietveldt von seinem Karriereanfang. Dass er immer schon Produzent werden wollte. Schon als kleiner Junge, als er die Lieder der anderen sang. Er wollte selbst etwas schaffen, kreativ sein. Der Tag hat ihn angestrengt. Die ganze Geschichte noch einmal durchzukauen. Rietveldt ist müde, er will nur noch nach Hause, abschalten. Vielleicht schaue er sich später einen Film an, sagt er. Einen Blockbuster. Einen, in dem am Ende das Gute siegt.

Schickes Accessoire, unentbehrliches Technik-Gadget oder gar Objekt der Begierde – das iPhone von Apple. Für einige überlebenswichtiges Must-Have, für andere überteuertes Erwachsenenspielzeug: Die neue Generation des Kultprodukts führt den Mythos fort.
Lesen Sie hier mehr.

Tagesspiegel twittert

Folgen Sie unserer Medienredaktion auf Twitter:

Sonja Alvarez:


Joachim Huber:
Kurt Sagatz:


Umfrage

Im Dezember wird "Wetten, dass...?" abgesetzt. Was halten Sie davon?

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Service

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen