Uri Geller : „Ich glaube noch an Aliens“

Mitte der 1970er Jahre begeisterte er das deutsche Publikum mit Löffel verbiegen durch angeblich übersinnliche Kräfte. Mit dem Tagesspiegel spricht Uri Geller über Wunder, Kritiker, Reichtum und sein Comeback im Fernsehen.

Uri Geller
Nicht von dieser Welt. Uri Geller -Foto: Pro Sieben

Herr Geller, in Ihrer neuen Show suchen Sie einen Nachfolger. Welche Fähigkeiten erwarten Sie von den Kandidaten, den so genannten Mentalisten?

Charisma und Charakter. Das sind die Eigenschaften, mit denen man ein Publikum begeistert. Das ist auch der Grund, warum ich immer noch unterwegs bin. Mein eigenes Repertoire ist ja eigentlich recht schmal. Ich liefere keine bombastischen Shows wie David Copperfield oder Siegfried und Roy. Trotzdem bin ich erfolgreich.

Was bekommen die Zuschauer bei Ihnen denn dann zu sehen?

Es wird richtig gefährlich. Ein Kandidat wird seine Hand auf eine von mehreren Kartons schlagen. In einer der Kisten ist ein scharfes Messer verborgen. In Israel, wo wir schon eine Staffel von „The next Uri Geller“ produziert haben, ist dieser Trick schiefgegangen. Der Kandidat hat direkt auf das Messer geschlagen. Seine Hand ist durchbohrt worden.

Dabei braucht es Sie doch gar nicht mehr.

Welche Kandidaten aus der Show ausscheiden und welche weiterkommen, das entscheiden die Zuschauer per Telefonabstimmung. Ich selbst gebe zu den Auftritten mein Urteil ab. Außerdem kann ich in jeder Folge einen Kandidaten vor dem Rauswurf schützen und so direkt in die nächste Runde befördern.

Sie selbst stehen außerhalb jeder Konkurrenz?

Ja, aber ich werde die Menschen natürlich daran erinnern, was mich berühmt gemacht hat. Zu Hause bei den Zuschauern werden sich Löffel verbiegen, und kaputte Uhren werden plötzlich wieder zu ticken beginnen, allein durch meinen Auftritt.

In Deutschland wurden Sie in den 70er Jahren durch eine Sendung von Wim Thoelke bekannt. Das ist lange her. Das junge Zielpublikum von Pro Sieben dürfte Sie kaum noch kennen.

Auch junge Leute interessieren sich für das Außergewöhnliche, für die mysteriösen Dinge in unserer Welt und außerhalb davon. In Israel und Amerika klebten viele Kinder förmlich vor dem Fernseher und waren vollkommen fasziniert. Außerdem haben wir ein Element in die Sendung integriert, das besonders die junge Handy-Generation ansprechen dürfte. Die Zuschauer können die Phänomene filmen, die bei ihnen zu Hause während der Sendung passieren, und per Mail an uns schicken. Wir zeigen das dann live in der Show.

Ist das deutsche Publikum eigentlich genauso wundergläubig wie die Zuschauer in Israel oder Amerika?

Wir sprechen hier nicht über Wunder, sondern über Familienunterhaltung. Es geht auch nicht um übernatürliche Fähigkeiten, sondern um das Talent und Können von ungewöhnlichen Leuten. Davon wird das deutsche Publikum fasziniert sein.

Kritiker werfen Ihnen vor, die Zuschauer mit einfachen Tricks zu täuschen. Sie hingegen behaupten, dass Sie Ihre Fähigkeiten von Außerirdischen empfangen haben.

Als ich noch jung war, haben mich diese Vorwürfe sehr getroffen. Aber mit jeder Attacke kamen mehr Leute zu meinen Shows. Da habe ich gemerkt: Es gibt nichts Besseres als schlechte Publicity, solche Kontroversen sind unbezahlbar. Und solange mein Name in der Zeitung steht, ist das gut. Die Skeptiker waren dumm. Wenn sie meine Karriere hätten zerstören wollen, hätten sie den Mund halten müssen.

Und die Sache mit den Aliens?

Ein Wissenschaftler des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA hat mir damals eingeredet, dass ich mit Außerirdischen in Verbindung stehe. Heute sehe ich das anders. Ich glaube zwar noch an Aliens und Ufos. Aber ich präsentiere mich heutige vorsichtiger. Ich bin schlicht ein geborener Entertainer.

Zusammen mit der Firma Sevenone wollen Sie Ihre Show in weitere Länder verkaufen, in zwei Wochen startet die Sendung in Holland. Ein lukratives Geschäft?

Geldverdienen interessiert mich überhaupt nicht mehr. In den 80er Jahren habe ich in Mexiko Ölquellen aufgespürt und bin damit reich geworden. Der mexikanische Präsident hat mich zum Ehrenbürger des Landes ernannt – dafür musste extra die mexikanische Verfassung geändert werden.

Das Gespräch führte Torben Waleczek.

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