VDZ-Kongress : Verleger wollen verstärkt in Inhalte investieren

"Weniger Fragezeichen, mehr Ausrufezeichen": Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) diskutiert über die Zukunft der Branche.

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Diskutieren über die Zukunft der Zeitschriften: Mathias Döpfner (l.), Vorstandsvorsitzender Axel Spinger AG, Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende Gruner + Jahr, und Philipp Welte, Zeitschriftenvorstand Burda.
Diskutieren über die Zukunft der Zeitschriften: Mathias Döpfner (l.), Vorstandsvorsitzender Axel Spinger AG, Julia Jäkel,...Foto: dpa

Frauen sind gemacht für Multitasking und deshalb gelingt ihnen selbstverständlich beides: Zeitungen und Zeitschriften intensiv zu lesen und sich diese Inhalte gleichermaßen aus dem Netz zu holen. Männern fällt das schwerer, wie die neue Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie zeigt. „Vor allem junge Männer aus der sozialen Unterschicht wenden sich von Print ab“, sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts, als sie am Dienstag die Studie bei der Konferenz des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin vorstellte.

Wenn Frauen also Hoffnungsträger der Branche sind, verwundert es umso mehr, dass beim zweitägigen „Publisher Summit“ fast ausschließlich Männer über die Zukunft der Zeitschriften diskutierten. Nur vier von 40 Referenten waren weiblich. Dazu gehörte neben Köcher auch Gruner+Jahr-Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel, die noch einmal erklärte, wie sie den Verlag zum „Haus der Inhalte“ umbauen will: „Das A und O ist, dass wir herausragende Geschichten recherchieren und inszenieren.“ Über Jahre hinweg habe sich G+J als Zeitschriftenhaus verstanden, aber angesichts der digitalen Angebote müssten die Inhalt insgesamt in den Vordergrund gerückt werden.

Springer soll führender Digitalkonzern werden

Wie die Frauen gehörte auch Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu einer seltenen Spezies beim VDZ-Kongress, hat sich der Verlag gerade nicht nur von „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“, sondern auch von allen Frauen- und Programmzeitschriften getrennt, was nicht für einen Glauben an die Zukunft der Branche spricht. Das anzunehmen, sei aber „bemerkenswert realitätsfern“, sagte Döpfner: „In fünf Jahren wird Qualitätsjournalismus bei Springer eine noch größere Rolle spielen als heute, wetten?“. Die Erlöse aus dem Verkauf an die Essener Funke Mediengruppe will er in die journalistische Qualität der Springer-Medien wie „Welt“ und „Bild“ investieren. Gleichzeitig möchte Döpfner Springer zum führenden Digitalkonzern ausbauen.

Was aber wollen die Leser finden, wenn sie zu Printprodukten greifen? Vor allem für lokale Ereignisse und Geschehen am Ort gebe es „ein bemerkenswert stabiles Interesse“, erklärte Renate Köcher anhand der Allensbach-Studie. Mit 73 Prozent bevorzuge ein Großteil der Befragten, längere Texte lieber auf Papier zu lesen. Gleichzeitig wachse die Zahl der Menschen, die sich einen Tablet-PC anschaffen und auch darauf Zeitschriften und Zeitungen lesen wollen. Mit Blick auf das große Vertrauens der Konsumenten wünschte sich Köcher von den Verlegern „weniger Fragezeichen und mehr Ausrufezeichen“, wenn es um die Zukunft ihrer Branche geht.

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