Verbände verurteilen Angriffe : Zunehmende Gewalt gegen Journalisten

Es bleibt nicht bei Beschimpfungen. Jetzt werden Journalisten auch körperlich attackiert. Das sind Angriffe auf die Pressefreiheit

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Bei Pegida-Demonstrationen mittlerweile Standard: Plakate mit der Aufschrift "Lügenpresse halt die Fresse".
Bei Pegida-Demonstrationen mittlerweile Standard: Plakate mit der Aufschrift "Lügenpresse halt die Fresse".Foto: dpa

Wenn ihr Ehemann seine Jogging-Route auf Facebook postet, wird Marion Horn nervös. Jeder könne dann schließlich sehen, wo sie wohne, sagte die „Bild am Sonntag“-Chefredakteurin am Dienstag beim Kongress des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Eine beunruhigende Vorstellung angesichts der Tatsache, dass allein in den vergangenen Wochen mehrere Reporter und Autoren angegriffen worden sind. Nach den „Lügenpresse“Vorwürfen ist offensichtlich eine neue Stufe zunehmender Gewalt von Rechts gegen Journalisten erreicht worden.

Tagesspiegel-Autor Helmut Schümann wurde in Charlottenburg als „linke Drecksau“ beschimpft und geschlagen. Am Montag wurde der „Welt“-Videoreporter Martin Heller mit seinen Kollegen bei einer Demonstration von Rechtsradikalen gegen ein Flüchtlingsheim in Berlin bedrängt und wüst beschimpft.

Ähnlich erging es dem Deutsche-Welle-Reporter Jaafar Abdul Karim und seinem Team, als er vor zwei Wochen von der Pegida-Demonstration in Dresden berichten wollte. Auch andere Journalisten berichteten nach der Demo, geschubst und getreten, bedroht und beschimpft worden zu seien. Neben „Lügenpresse“ seien Begriffe gefallen wie „Judenpresse“ und Bezeichnungen wie „Faschist“ und „Zionist“. „Spiegel“-Reporter Markus Deggerich berichtete kürzlich ebenfalls, bei einer AfD-Veranstaltung heftig angegangen worden zu sein.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger verurteilte den Überfall auf Schümann als „abscheulichen Angriff auf die Pressefreiheit“. Auch Frank Überall, neuer Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, betont, dass die Überfälle „nicht wie Kavaliersdelikte vernachlässigt werden“ dürften. Er erwarte von den Ermittlern, dass sie die „Attacken als Anschläge auf die Pressefreiheit besonders ernst nehmen und mit Nachdruck gegen die feigen Täter ermitteln“.

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