Verlage und öffentlich-rechtliche Medien : Wenn Journalisten Hassmails schreiben

Jüngst berichtete der Tagesspiegel kritisch über den WDR und seine Ukraineberichterstattung. Woraufhin Journalisten von Hetze sprachen und darin eine Kampagne erkannten. Doch die Feindschaft zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Medien sitzt anscheinend tiefer.

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In direkter Konkurrenz: Wie sollten Journalisten aus Verlagen und aus öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten miteinander umgehen?
In direkter Konkurrenz: Wie sollten Journalisten aus Verlagen und aus öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten miteinander...Foto: dpa

„Kampagnenschmierblatt“, „Schleichwerbeverein“ oder „Hetzorgan“: Zur Abwechslung sind es nicht die üblichen Hassbriefeschreiber, die diese Vorwürfe an die Redaktion des Tagesspiegel verschicken. Es sind Journalisten. Von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Sie ärgern sich über die Medienkritik an ihren Sendern und setzen ungeschminkte Kollegenbriefe auf oder regen sich auch gerne persönlich bei mir ab.

Umgekehrt habe ich bis vor einem halben Jahr noch häufig selbst für öffentlich-rechtliche Medien in ganz Deutschland gearbeitet. Damals musste ich mir Kommentare anhören, ich sei „für Staatsmedien“ tätig, würde für Medien schreiben und produzieren, die „Steuergelder verschwenden“ oder sowieso pauschal einer „festgeschriebenen Linie folgen“. 

Die einen beklagen sich, dass „Journalismus außerhalb der Marktwirtschaft“ zumindest kritisch zu betrachten sei. Die anderen sehen dies als ihre Stärke, weder auf Anzeigenkunden noch auf Verkaufszahlen zu achten. Zumindest nicht so, dass sie sich unbedingt Gedanken um ihre Themenauswahl und Gestaltung des Programmangebots machen müssen. Jeder ist qua Finanzierung besser als die Konkurrenz, ist doch klar.

Was ist nur bloß los mit uns Journalisten?  

Konkret drehte sich die jüngste Empörungsrunde um einen Bericht des Tagesspiegel über den WDR und seine Ukraineberichterstattung. Bei der größten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt wurden dabei fehlerhafte Kriegsbilder gezeigt, die gar nicht aus der Ukraine stammen oder veraltet waren. Journalisten aus verschiedenen öffentlich-rechtlichen Sendern sahen in diesem Bericht aber einen Beweis, dass alle bei Verlagen beschäftigten Journalisten ARD, ZDF und Deutschlandradio fertig machen (wollen). Wir hätten ja sonst nichts anderes zu tun und im Blick. Wie mir ein Kollege vom RBB erklärte.

Die Konfliktlinie verläuft in der Branche bekanntermaßen nicht nur zwischen den Verlagen und den gebührenfinanzierten Medienangeboten. Zwischen folgenden Wörtern kann man getrost das Verb „verachten“ setzen: Fernsehjournalisten, Radiojournalisten, Printjournalisten, Onlinejournalisten. Doch die Feindschaft zwischen Verlags- und Anstaltsjournalisten fällt auf und belastet die publizistische Verantwortung in Deutschland.

War das schon immer so?

Ein Besuch in der Medienredaktion des Tagesspiegel löste eine kleine Grundsatzdebatte aus. Warum ist die Feindschaft manchmal so dominierend? Und war das schon immer so?

Dass Journalisten Journalisten immer öfters mit Hass begegnen, ist verwunderlich. Denn die Kooperationsfelder zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien sind ja existent, vorbildlich, fruchtbar. Rechercheverbünde machen die journalistische Arbeit in Deutschland effizienter und wirksamer.

Jeder Zeitungsjournalist freut sich auf eine Einladung in eine Talk-Sendung im Radio oder Fernsehen. Die andere Seite freut sich, wenn ihre Qualitätsproduktionen in der Spalte „Programm-Tipp“ landen. Printjournalisten schalten auch gerne mal das Radio an, im Newsroom läuft die Abend- oder Tagesschau. Und die Journalisten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten blättern gerne im Feuilleton und in der guten alten Tageszeitung.

Doch während früher öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio ihr eigenes Süppchen kochten und der Papierjournalismus an einer anderen Stelle seinen Brei rührte, sind die komplementären Medien von damals nun zu direkten Konkurrenten geworden. Gegenseitige Verachtung und Kollegenschelte als Reaktion auf diese Entwicklung sagt viel aus, über den Zustand unserer Branche und ihrem Zukunftsplan für das digitale Zeitalter.


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