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Von wegen Guru : Der Missionar

07.04.2009 00:00 UhrVon Mark Diening
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Super-Wicki. Schon als Vierjähriger las Jimmy Wales, 42, Enzyklopädien. 2001 gründete der frühere Börsenmakler die freie Enzyklopädie Wikipedia. Foto: AFP

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales will die Welt mit Wissen überziehen

Jimmy Wales ist 42. Das ist vielleicht nicht ganz unwichtig. In der fünfteiligen Science-Fiction-Roman-Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams lautet „42“ die Antwort auf alle Fragen des Universums. Wales hat 2001 die Internet-Enzyklopädie Wikipedia gegründet, mit genau dieser Vision: „Jeder Mensch soll Zugang zur allem Wissen der Menschheit haben. Antworten auf alle Fragen. Frei und kostenlos.“

Für dieses Ziel lebt der Mann, der gerade auf verschiedenen Online-Treffen in Berlin zu Gast war. Mit seinem gestutzten Bärtchen erinnert er ein bisschen an Jürgen von der Lippe. Nur schlanker – und ohne Hawaii-Hemd.

Wales trägt nur Schwarz: Schuhe, Stoffhose, Rolli und Ledermantel. „Weil ich gerne Rotwein trinke“, sagt er. „Auf Schwarz sieht man die Flecken nicht.“ Wenn er lacht, legen sich Falten um seine Augen und er bekommt Grübchen. Die Wahrheit ist: „So muss ich mich nicht damit beschäftigen, welche Kleider ich unterwegs anziehe.“

Denn das kann schon zum Problem werden. Rund 200 Tage im Jahr reist der Amerikaner um den Globus, um neue Online-Lexika ins Netz zu bringen. „Ich habe letzte Woche in Indien vor 2500 Studenten gesprochen und in ihren Augen dieses Strahlen gesehen, weil sie Wikipedia jetzt auf Hindi und mehr als 20 weiteren indischen Sprachen erarbeiten. Das liebe ich an diesem Projekt.“ Jimbo, wie ihn Freunde nennen, lebt zwar für Wikipedia, aber er lebt nicht davon. Die Seiten sind weltweit werbefrei. Das Lexikon selbst erwirtschaftet kein Geld, es finanziert sich über Spenden.

Für Wikipedias Überleben hat der Internet-Entrepreneur Jimmy Wales auch schon mal in die eigene Tasche gegriffen. 2003 hat er dann die Wikimedia Foundation gegründet, einen gemeinnützigen Verein, dem er bis 2006 vorstand und der Geld für Wikipedia sammelt. Heute ist Wales Ehrenpräsident – ohne Gehalt. Dennoch hat das Internet auch Wales reich gemacht. Oder zumindest wohlhabend. 2004 hat er den Internet-Dienstleister Wikia gegründet. Der wirft Profit ab. Genaueres verbirgt Wales hinter einem sanften Lächeln und dem Satz: „Mein Job erlaubt mir, um die Welt zu reisen, wichtige Leute zu treffen und meine Mission vom Wissen für alle voranzutreiben.“ Das muss reichen.

Auf die Frage, was ihn von Microsoft-Gründer Bill Gates unterscheide, antwortet er smart: „Wo sind Gemeinsamkeiten?“ Wales weiß, dass er zu den Gewinnern der Branche gehört. Am vergangenen Mittwoch musste er allerdings eine Niederlage verkünden: Sein als Google-Konkurrenz gedachtes freies Suchmaschinen-Experiment Wikia Search scheiterte nach nur einem Jahr mangels Beteiligung der User. So etwas ist bitter für einen, dessen Credo lautet: „Tue mehr von dem, was funktioniert – und weniger von dem anderen.“ Wikia Search hat nicht funktioniert. „Schade“, sagt Wales, „aber fragen Sie mich in einem Jahr noch mal. Wir haben Wikia Search gecancelt, weil es heute nicht funktioniert und alles andere, was wir machen, derzeit boomt.“

Auf der Internet-Seite von Wikia Search steht jetzt übrigens: „Macht’s gut, und danke für den Fisch!“ So lautet der Titel von Band drei der Douglas-Adams-Romane. Derlei Späße lassen Wales sympathisch erscheinen. Denn den Status eines Gurus hat er in der Wikipedia-Community nicht. „Das würde auch nicht funktionieren“, sagt er. „In einer Gemeinschaft wie Wikipedia einen Anführer zu haben, ist der Tod des Projekts.“

Das Projekt! Es umfasst bisher weltweit elf Millionen Artikel in 250 Sprachen, wie Wales erzählt. Und es kostet Zeit, sehr viel Zeit. Zwei gescheiterte Ehen hat der Vater einer Tochter hinter sich. Warum er sich das antut und nicht einfach zu Hause in Florida in der Sonne liegt, diese Frage lässt er nicht gelten: „Weil das Projekt noch nicht beendet ist.“ Heute liegt sein Fokus nicht mehr nur auf dem Umfang der Enzyklopädie, sondern auf deren Qualität. „Unser Anspruch muss es sein, so gut zu sein wie der Brockhaus!"

Die Qualität der deutschsprachigen Wikipedia ist für ihn die beste. Sie ist mit einer Million Artikeln die zweitgrößte nach der englischsprachigen Fassung (2,8 Millionen Artikel). Wales selber hat das Potenzial erkannt, seit zwei Jahren lernt der Amerikaner Deutsch. „Bin ich eigentlich wirklich erst 42?“, fragt er plötzlich laut, während er sich nicht entscheiden kann, ob er auf seinem iPod den Soul- und R-&-B-Sänger Marvin Gaye oder doch lieber die Heavy-Metal-Band „Metallica“ hören soll. „Ich fühle mich manchmal älter.“ 42, so steht es auf seiner Wikipedia-Seite. „Dann muss es stimmen“, sagt Jimmy Wales.

Schickes Accessoire, unentbehrliches Technik-Gadget oder gar Objekt der Begierde – das iPhone von Apple. Für einige überlebenswichtiges Must-Have, für andere überteuertes Erwachsenenspielzeug: Die neue Generation des Kultprodukts führt den Mythos fort.
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