Vors Parlament geschickt : Sind Blogger keine Journalisten?

Der Bundestag verweigert Bloggern die Akkreditierung mit der Begründung, sie seien keine Journalisten. Das empört die Blogosphäre. Berlinale und Fashion Week gehen ähnlich rigide vor.

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Blogger sind oft reizende und in jedem Fall reizbare Menschen. Aber sind sie auch Journalisten? Die Pressestelle des Deutschen Bundestages hat diese diffizile Frage in mehreren Fällen so beantwortet: Nein. Christoph Koch hat in der „Zu meinem Ärger“-Kolumne im Tagesspiegel am Sonntag darüber geschrieben, dass die Pressestelle „seit kurzem manche Kollegen abweist, die ausschließlich für unabhängige Onlinemedien berichten“. Koch nennt Tobias Schwarz (netzpiloten.de) und Markus Beckedahl (netzpolitik.org) als Beispiele dafür, wie der Bundestag Journalisten mit der Begründung nach Hause schicke, sie seien ja nur „Blogger“. Im aktuellen „Spiegel“ gibt es zu dieser Causa ein Interview mit Beckedahl. Er sagt, er berichte seit zehn Jahren über die Arbeit des Parlaments. „Ich habe einen Presseausweis des Deutschen Journalistenverbands. Aber man teilte mir mit, ich sei kein Journalist. Da sehe ich mich als Journalist diskriminiert.“ Laut Magazin begründet die Bundestagsverwaltung ihre Ablehnung nicht mit der Statusfrage Journalist oder Blogger, entscheidend sei der Nachweis einer ständigen parlamentarischen Berichterstattung.

Beckedahl verweist darauf, dass die Verweigerung der Akkreditierung gerade jene treffe, die für neue publizistische Formen stünden und das Internet als Plattform nutzten. „Man scheint in der Bundestagsverwaltung noch in der Vergangenheit verhaftet zu sein.“ Dort war zu erfahren, dass an der Vergabepraxis nichts geändert werden soll. Außerdem gebe es kein generelles Nein bei Blogger-Anfragen, es werde jeder Fall einzeln geprüft. Wer wolle, könne andere Wege gehen, etwa sich bei einem Abgeordneten anmelden.

Der Bundestag ist für die empörte Blogosphäre nicht das einzige #Neuland. Auch bei den Akkreditierungen für die Berlinale oder die Fashion Week werde zwischen Journalisten und Bloggern unterschieden – und Blogger schnöde vor die Türe geschickt. Joachim Huber

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