VPRT-Präsident Doetz geht  : Medienpolitik ist Parteipolitik

Jürgen Doetz tritt als Präsident des privaten Rundfunkverbands VPRT ab. Ein Grüß-August wie Franz Beckenbauer will er nun allerdings nicht werden.

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Kämpfernatur. Jürgen Doetz hat noch jedes Podium bei Medienforen belebt. Foto: dpa
Kämpfernatur. Jürgen Doetz hat noch jedes Podium bei Medienforen belebt. Foto: dpaFoto: dpa

Seine Kombattanten auf den Medienforen dieser Republik werden vielleicht aufatmen. Jürgen Doetz gibt sein Amt als Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) auf. Mit der Mitgliederversammlung des Verbandes am 29. November trete eine neue Satzung in Kraft, die keinen Präsidenten mehr vorsehe, sagte Doetz beim Pressegespräch am Dienstagabend in Berlin. Für den Posten des neuen Vorstandsvorsitzenden werde er nicht antreten. VPRT-Vizepräsident Tobias Schmid erklärte sich bereit, im Falle seiner Wahl in den Vorstand für den Spitzenposten zu kandidieren.

Der Vorstand will dann auch darüber entscheiden, welche Funktion Doetz künftig innerhalb des Verbandes haben soll. Er werde aber kein „verkappter Vorsitzender“ sein, sagte Doetz. Auf die Frage, ob er sich seine neue Aufgabe eher als Uli-Hoeneß-Rolle (Präsident des FC Bayern München) oder als Franz-Beckenbauer-Position (Ehrenpräsident des Fußballklubs) vorstelle, sagte Doetz: „Ich werde kein Grüß-August wie Beckenbauer.“ Die Medienforen können sich freuen, mit dem gewandelten Doetz und mit dem neuen VPRT-Chef Schmid wird nicht die Leise-Fraktion die Privatfunker in der Öffentlichkeit vertreten. Schmid, Bereichsleiter für Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL, arbeitet bereits als Vizepräsident des VPRT.

Insgesamt will der Lobbyverband für seine rund 140 Mitglieder aus Hörfunk, Fernsehen und elektronischer Medienwirtschaft mit seiner neuen Struktur die Geschäftsführung stärken und mehr „operative Verantwortung“ an den künftig aus zwölf Mitgliedern bestehenden Vorstand übergeben. Laut neuer Satzung bestimmt der Vorstand auf Basis der Leitlinien der Mitgliederversammlung die Agenda für das jeweilige Geschäftsjahr. Der Geschäftsführer Claus Grewenig und seine Mitarbeiter in Berlin verantworten deren Umsetzung.

Der 68-jährige Doetz war seit 1990 Vize- und ist seit 1996 Präsident des VPRT, damals löste der gebürtige Heidelberger Peter Scholl-Latour ab. Die Arbeitsbiografie des gelernten Journalisten Doetz ist sehr eng mit dem Entstehen des privaten Rundfunks in der Bundesrepublik verbunden. 1985 war der ehemalige Pressereferent und Sprecher des rheinland-pfälzischen Kultusministers Bernhard Vogel (CDU) Geschäftsführer von Sat 1 geworden, das noch vor dem Konkurrenten RTL als erstes privates Fernsehprogamm startete.

Pionier Jürgen Doetz begleitete als enger Gefolgsmann von Leo Kirch die Wendungen und Irrungen des Münchner Medienmoguls durchaus mit, die spektakuläre Insolvenz der Kirch-Gruppe schob ihn aber nicht aus dem Spielfeld, für die Pro Sieben Sat 1 AG konnte er als Vorstand für Medienpolitik und Regulierung weiterarbeiten. Bis zum Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren, danach blieb Jürgen Doetz Berater.

Ehrenvolle, gut dotierte Aufgaben, doch die Paraderolle war Cheflobbyist. Als VPRT-Präsident kämpfte er für das duale System aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern, agierte und agitierte er gegen den Gebührenrundfunk. Das CDU-Mitglied musste früh erkennen, dass die Konservativen, in der Kanzler-Ära Kohl die Geburtshelfer des kommerziellen Hörfunks und Fernsehens, von ihrer Patronage für ARD und ZDF nicht ablassen wollten. Dort sind die Auftrittsflächen für die Parteipolitiker, bei RTL und Sat 1 und Pro 7 sind sie nicht. Das Gewinnstreben der Privatsender geht nicht immer mit Klugheit einher.

Die Erfahrung mit Politik mag für Doetz eine stete Enttäuschung gewesen sein, es hinderte die Kämpfernatur – Vizepräsident des Bundesligisten Mainz 05! – überhaupt nicht, die Politik wieder und wieder an ihre Verantwortung für das (publizistische) Wettbewerbsfeld Rundfunk zu erinnern. Ein mühsames Geschäft, denn Doetz war klar, „Medienpolitik ist Parteipolitik“. Und ein sehr mühsames Wanderprediger-Geschäft, denn Doetz’ Anprechpartner ist nicht die Bunderegierung, das sind die 16 Landesregierungen, die 14 Medienanstalten nebst allen Haupt- und Nebengliedern. Rundfunk in Deutschland ist Ländersache. Aufgegeben hat der scheidende VPRT-Präsident nie. Dass die EU die Gebühren als Beihilfen, sprich als Subventionen für ARD und ZDF deklariert hat, was in Folge die Online-Präsenz der öffentlich-rechtlichen Anstalten eingeschränkt hat, das kann er sich auf die Habenseite schreiben. Überhaupt: Jürgen Doetz hat den privaten Rundfunk politikfähig gemacht.

Genug war ihm nie genug, das ist sein Motor. Nur in sehr ruhigen Momenten gesteht er zu, dass es der privaten Medienwirtschaft so schlecht nicht geht. Radio, Fernsehen, Pay-TV sind auf Wachstumskurs. Doch gut war für Jürgen Doetz von jeher der Feind von besser.

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