VR-Spiele auf der Gamescom : Zukunft zum Anspielen

Auf der Gamescom sind besonders die Stände mit Virtual-Reality-Games umlagert. Eine halbe Million Besucher werden in diesem Jahr erwartet.

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Mit Batman auf der Gamescom. Die spitzen Ohren auf der VR-Brille stammen aus der Comic-Reihe, von seiner Umwelt bekommt der Spieler nichts mit.
Mit Batman auf der Gamescom. Die spitzen Ohren auf der VR-Brille stammen aus der Comic-Reihe, von seiner Umwelt bekommt der...Foto: AFP

Tobias steht breitbeinig da. Auf dem Kopf trägt er etwas, das entfernt an eine Taucherbrille erinnert, in den Händen hält er Stäbe mit leuchtenden Kugeln an den Enden. Seine Hände vollführen wilde Gesten, manchmal blickt er sich auch um, doch was dort passiert, sieht der 26-Jährige nicht – denn er versinkt gerade in der virtuellen Realität des Spiels „Batman: Arkham VR“. Tobias befindet sich am Stand von Sony. Die Japaner stellen auf der Spielemesse Gamescom ihre Brille Playstation VR vor, die Mitte Oktober erscheinen soll. Sie ist nur halb so teuer wie vergleichbare Konkurrenzmodelle und soll den Markt für VR-Spiele zu einer realen Größe werden lassen.

Die weltgrößte Spielemesse ist in diesem Jahr noch ein Stück größer geworden: Bis zum Sonntag erwarten die Veranstalter eine halbe Million Besucher, die nicht nur wegen Pokémon Go kommen. Nicht weniger als 800 Aussteller aus 50 Ländern buhlen um die Aufmerksamkeit von Publikum und Fachbesuchern – auch das ist ein neuer Rekord. Bis Sonntag werden hunderte Spiele vorgestellt, von Blockbustern mit Millionenbudget bis hin zu experimentellen Spielen von Kleinststudios. Hersteller von Hardware und Fan-Artikeln belegen ganze Hallen, auf riesigen Flächen tummeln sich die Cosplayer mit ihren schrillen Kostümen, die zahlreichen Bühnen sind von E-Sportlern, Game-Designern und YouTube-Stars bevölkert.

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Selbst Plastik-Waffen sind verboten

Schon am Tag vor dem offiziellen Start hatten sich an den burgähnlichen Messeständen der Spielefirmen große Menschentrauben gebildet. Der Ansturm am Donnerstag war dann noch ungleich größer: Bereits an den Messetoren standen sich die Besucher die Beine in den Bauch – auch weil die Veranstalter die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht haben. Taschen und Rucksäcke sollen die Besucher zu Hause lassen, sämtliches Gepäck wird am Eingang durchsucht, die Cosplayer müssen in diesem Jahr auf nachgemachte Waffen aus Pappmaché und Plastik verzichten.

Der wichtigste Trend der diesjährigen Gamescom ist Virtual Reality. An vielen Ständen sieht man Besucher mit klobigen VR-Brillen, die entrückt in virtuellen Welten schwelgen. Das Mittendrin-Gefühl ist dabei stärker als bei herkömmlichen Spielen. In Köln sind etliche Brillenhersteller am Start: Samsung mit Gear VR, HTC mit Vive, Oculus mit Rift und Sony mit Playstation VR. Besonders Sony geht bei der Gamescom in die Vollen, weil Playstation VR Mitte Oktober in die Läden kommt: An 50 Stationen können Messebesucher 17 verschiedene VR-Titel ausprobieren. Zu den Highlights zählt das grafisch opulente Dino-Abenteuer „Robinson: The Journey“ und auch „Batman: Arkham VR“, in dem sich Spieler auf detektivische Spurensuche begeben. Einen Schritt weiter geht übrigens Samsung. In einer Halle hat die Firma den „VR Rollercoaster“ aufgebaut – eine virtuelle Achterbahn-Simulation, in der die VR-Brillenträger ordentlich durchgeschüttelt werden.

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Spektakuläre Premieren bleiben Mangelware

Die Gamescom mag die größte Publikumsmesse für Computerspiele sein. Spektakuläre Ankündigungen neuer Spiele sind hier allerdings auch 2016 Mangelware. Das liegt vor allem an der Electronic Entertainment Expo (E3), die im Juni in den USA stattfindet: Meist stellen die Firmen schon dort ihre großen Neuerungen vor. In Köln hielten die Publisher dieses Jahr keine großen Pressekonferenzen ab.

Eine kleine Überraschung hatte allerdings Hersteller Konami mit der Ankündigung im Gepäck, dass die bekannte Schleichspielreihe „Metal Gear“ im nächsten Jahr mit „Survive“ fortgesetzt wird. Microsoft wird seine abgespeckte Heimkonsole Xbox One S im September auch zusammen mit dem Fußball-Blockbuster „Fifa 17“ anbieten – inklusive FC Bayern München als Kooperationspartner. Konami hingegen kündigte für seinen „Fifa“-Konkurrenten „Pro Evolution Soccer 2017“ eine Kooperation mit Borussia Dortmund an: So sollen Aubameyang & Co. im Spiel möglichst gut zur Geltung kommen.

Eine der spektakulärsten Ankündigungen stammt übrigens von der Gamescom selbst. Zum einen erhält die Messe vom nächsten Jahr an einen festen Termin, nämlich die letzte Augustwoche. Zum anderen beginnt sie schon dienstags statt mittwochs, wofür dann der Messe-Sonntag gestrichen wird. Das dürfte beileibe nicht allen Besuchern gefallen: Ein zusätzlicher Messetag hätte die jetzt schon überfüllte Gamescom etwas entzerrt.

"VR muss man erlebt haben."

Tobias nimmt seine Brille nach einer Viertelstunde ab und lächelt. „Das war richtig cool“, sagt er, „ich bin gerade mit dem offenen Aufzug in die Bat-Höhle runtergefahren. Die Erfahrung ist echt unbeschreiblich. VR muss man erlebt haben.“

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