Wächterpreis : Recherche mit Wirkung

Wächterpreis über 12.000 Euro geht an Tagesspiegel-Autor Frank Jansen.

Frank Jansen „machte an einem Fall aus Sachsen-Anhalt deutlich, wie aufgrund der Verharmlosung durch einen leitenden Polizeibeamten die Ahndung rechtsradikaler Straftaten gebremst wurde“. Für diese Recherche, die der Reporter des Tagesspiegel seit dem 12. Mai 2007 in einer Reihe von Artikeln aufgeschrieben hat, ist ihm am Mittwoch in Frankfurt am Main der 1. Preis des Wächterpreises der Tagespresse 2008 (12 000 Euro) verliehen worden. In der Jurybegründung heißt es weiter, Jansen „lenkte damit die Aufmerksamkeit auf eine Besorgnis erregende Tendenz, die gerade für die ostdeutschen Länder ein Problem darstellt. Seine ausführliche Recherche werfe die Frage auf, ob die Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus mit dem nötigen Nachdruck betrieben werde. Der Wächterpreis war bereits die zehnte Auszeichnung, die Jansen als Tagesspiegel-Autor für seine Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus bekam.

Den Wächterpreis der Tagespresse, der vor 40 Jahren begründet wurde, vergibt die Stiftung Freiheit der Presse. Die renommierte Auszeichnung würdigt kritische und investigative Berichterstattung von Journalisten und Redaktionen..

Der 2. Preis (8000 Euro) ging an Angela Böhm von der Münchner „Abendzeitung“. Die landespolitische Korrespondentin recherchierte die Bespitzelung der Fürther Landrätin Gabriele Pauli durch die Bayerische Staatskanzlei. Ihre Berichterstattung habe die CSU-interne Diskussion angestoßen, die letztlich zur Ablösung von Ministerpräsident Edmund Stoiber geführt habe, urteilte die Jury unter Vorsitz von Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph.

Der 3. Preis (6000 Euro) wurde David Schraven von der „Welt am Sonntag“ zuerkannt. Er schilderte, wie giftige Chemikalien in die Ruhr, die als Trinkwasserreservoire genutzt wird, gelangen konnten. Aufgrund seiner hartnäckigen Recherchen gegen große Widerstände der Behörden mussten die Wasserwerke entsprechend nachrüsten. Den Wächterpreis für Volontäre (4000 Euro) bekam Thomas Thiel von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der sehr fragwürdige Praktiken der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) aufdeckte, um vermeintliche Gebührenschuldner zu verfolgen.

Der Medienwissenschaftler und Publizist Lutz Hachmeister stellte in seiner Laudatio zunächst fest, dass „der Journalismus sich seit einiger Zeit in einer Wolke von Untergangsrhetorik“ befinde. Viele Journalisten fühlten sich „kleinlaut, ängstlich, missgestimmt“, zumal über den Beruf und die Aufgabe fast nur noch im Zusammenhang mit Ökonomie und Technologie geredet werde. Dabei muss das Publikum dem Journalisten abnehmen können, dass er „ein verlässlicher, spannender und auch amüsanter Taktgeber einer Selbstaufklärung der Gesellschaft“ ist. Es gehe um Vertrauen in die Rollen der Journalisten als Beobachter, Kritiker und Sachwalter der Öffentlichkeit, sagte Hachmeister.

Was seiner Ansicht nach nottut: Weniger „Content Manager“, dafür umso mehr leitendes Personal in den Medienhäusern, für die journalistische Arbeit nicht lästiger Kostenfaktor, sondern Garant einer publizistischen Haltung sei. Und vor allem, schloss Hachmeister, würden Journalisten gebraucht, „die sich nicht defensiv im technologischen und ökonomischen Nebel verstecken, sondern selbstbewusst an der Grammatik und Poetik ihres Berufs arbeiten, mit welchen Medien auch immer.“ jbh

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