WDR-Check : Sparen mit Spaß

Tom Buhrow ist seit einem Jahr Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Jetzt wird im Programm gekürzt und verjüngt.

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Dreigestirn. WDR-Intendant Tom Buhrow (Mitte), Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn beim Pressegespräch in Köln. Foto: WDR
Dreigestirn. WDR-Intendant Tom Buhrow (Mitte), Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn beim...Foto: WDR/Herby Sachs

Ein Jahr ist Tom Buhrow jetzt Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), und langsam dämmert ihm, was er da für eine Aufgabe übernommen hat: „Es wird dauern, zu zeigen und zu beweisen: Wir sind unterwegs“, sagte er am Dienstag in Köln. Buhrow, angetreten mit dem Slogan „Ich bring die Liebe mit“, war in den vergangenen Monaten viel unterwegs, um Kritik und Zweifel an den vermeintlich unbeweglichen öffentlich-rechtlichen Apparaten abzubauen. Wann immer er öffentlich auftritt, gibt sich Buhrow aufgeschlossen und volksnah – als Anti-Apparatschik. Er will den WDR „glaubwürdig verjüngen und erneuern“. Und „aus Verantwortungsliebe“ muss er auch sparen, weil es von 2016 an im Etat eine jährliche Lücke von 100 Millionen Euro geben wird.

Das Programm wird Federn lassen, obwohl es „unterproportional belastet“ werde (Buhrow). Fernsehen und Hörfunk haben im Haushaltsjahr 2015 insgesamt 14 bis 15 Millionen Euro weniger als bisher zur Verfügung. Und von den 500 Planstellen, die der größte ARD-Sender bis 2020 per Vorruhestandsregelung abbauen will, entfallen 80 Stellen auf den Hörfunk, 60 aufs Fernsehen. Zurzeit hat der WDR knapp 4300 Festangestellte sowie 1900 freie Mitarbeiter. Den größten Anteil am Abbau schultern Produktion, Technik und Verwaltung. Damit sei „weitestgehend sichergestellt“, sagte Buhrow, dass es nicht zu weiterem Stellenabbau kommen müsse.

Ein Sparkurs will freilich durch möglichst blumige Vokabel abgefedert werden, und so ist es auch beim WDR. Jörg Schönenborn zum Beispiel, Buhrows neuer Fernsehdirektor, hat dafür den Begriff der „nachhaltigen Innovation“ erfunden. „Wir haben alle das Gefühl, ein bisschen mehr Spaß könnte unseren Programmen guttun“, sagte er. Den Auftakt macht ab dem 22. Juli Grimme-Preisträger Jan Böhmermann, der sich als Erster das Geld aus dem neuen „Verjüngungstopf“ des Intendanten für sein nächstes Comedy-Projekt geschnappt hat. Verzichten will der WDR auf den „Bericht aus Brüssel“, außerdem können durch den Wegfall der ARD-„Ratgeber“-Sendungen und des Magazins „Kopfball“ Mittel gespart, aber auch umgeschichtet werden und neuen Verbraucherformaten à la „Markencheck“ zugutekommen. Einem Verzicht auf teure Sportrechte, etwa für die Fußball-Bundesliga oder die Welt- und Europameisterschaften, erteilte Buhrow eine Absage. Diese Rechte hätten, da der Fußball ein gesellschaftliches Bindeglied sei, einen hohen Stellenwert.

Im Hörfunk will die neue, von der Privatwelle Antenne Bayern an den Rhein gewechselte Direktorin Valerie Weber erst einmal mittels Studien und Hörerbefragungen ihr Publikum kennenlernen: „Ganz genau nach Zielgruppen“, betonte sie. „Eine ganz andere Welt“ sei der WDR, erklärte Weber, die in Bayern weniger mit Wort- und Kultur-Wellen zu tun hatte und die nun offenbar herausfinden will, was der junge Kulturinteressierte heutzutage eigentlich für ein Programm erwartet. Und Tom Buhrow, der nach einem Jahr durchaus ahnt, was da nun wieder an Kritik auf ihn einprasseln könnte, schob gleich mal nach: „Es wird nicht besonders bei der Kultur gespart.“

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