WDR : Vernachlässigte Kultur

Der Kultursender WDR 3 soll zum zum „durchhörbaren“ Formatradio werden. Doch viele wollen das nicht. Die Initiative der Radioretter könnte Vorreiter sein für enttäuschte Gebührenzahler.

Alexandra Zwick
Die WDR Arkaden in Köln. Geplante Veränderungen beim Sender bereiten vielen Redakteuren große Probleme.
Die WDR Arkaden in Köln. Geplante Veränderungen beim Sender bereiten vielen Redakteuren große Probleme.Foto: dpa

Am Ende wirkte alles ganz locker. Nur drei Gegenstimmen und ein merklich erleichterter Hörfunkdirektor, der knapp an einer Blamage vorbeigeschrammt ist. Er habe zwar Verständnis „für manche laut gewordene Sorge“, sagte Wolfgang Schmitz am Mittwochabend, gab sich aber insgesamt hochzufrieden über die Zustimmung des WDR-Rundfunkrats zur heftig umstrittenen Reform des Radiosenders WDR 3. Der Sender kann nach Schmitz’ Auffassung nun „seine wichtige Funktion als Kulturplattform für NRW noch besser wahrnehmen“. Ein Triumph? Oder doch eher ein Pyrrhussieg? Zumindest werden die Stimmen gegen den Umbau des Kultursenders WDR 3 zum „durchhörbaren“ Formatradio wohl nicht so schnell verstummen. Die Reform sieht Kürzungen beim politischen Feuilleton und beim Feature vor sowie vermehrt Wiederholungen, teilweise vom konkurrierenden Info-Kanal WDR 5.

Vor allem die knapp 19 000 „Radioretter“ befürchten, dass der Kölner Kultursender dadurch endgültig sein journalistisches Profil verliert. Dessen Wortanteil wurde schon 2008 auf magere 30 Prozent abgesenkt. Die Initiative hatte sich aus Protest gegen die Reform gegründet, auch Prominente wie Richard David Precht, Elke Heidenreich und Navid Kermani hatten sich ihr angeschlossen. Ihr bislang wohl einmaliger Einsatz für ein Rundfunkprogramm ist bundesweit zum symbolischen Aufschrei enttäuschter Gebührenzahler geworden, die sich auch sonst intellektuell vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk vernachlässigt fühlen.

Was die Umsetzung der WDR-3-Reform außerdem schwierig machen dürfte, ist Widerstand aus den eigenen Reihen. Auch wenn die Senderspitze betont, dass man „intensiv mit den zuständigen Redaktionen gesprochen“ habe (Schmitz), lehnt die Mehrheit der WDR-3-Redakteure sie weiterhin ab. Noch letzte Woche hatten sie sich mit einem Aufruf persönlich an Intendantin Monika Piel gewandt, in dem es hieß: „Die geplanten Veränderungen bereiten uns Redakteuren große Probleme. Aus diesem Grund wünschen wir uns ein Moratorium, um in Ruhe über nötige Veränderungen nachzudenken.“ Diese Ruhe wollte man sich in der Chefetage nicht geben. Stattdessen wurden hastig Reform-„Korrekturen“ präsentiert, die im Wesentlichen auf einen zusätzlichen Radio-Essay pro Woche hinauslaufen. Erst jetzt, nach dem Rundfunkratsbeschluss, will Hörfunkdirektor Schmitz in einer „Zukunftswerkstatt“ über „die nachhaltige Verbesserung“ seiner Kulturwelle gemeinsam diskutieren. Was solche Gespräche noch bewirken können, „wenn über die Zukunft von WDR 3 doch bereits entschieden ist“, wie die Radioretter in einer Stellungnahme spotten, ist fraglich.

So viel Abschottung im Umgang mit Kritikern hätten viele dem traditionell als tolerant geltenden WDR vorher gar nicht zugetraut. Nicht genug, dass Intendantin Monika Piel durchgehend ihren Hörfunkdirektor vorschickte, der die 19 000 Radioretter mal zu „Radiorentnern“, mal zu naiven „Internet-Klickern“ kleinredete. Es wurde auch bekannt, dass Vorgesetzte reformunwillige Mitarbeiter offenbar in Einzelgesprächen unter Druck gesetzt haben. Mittlerweile ist das Klima so schlecht, dass man intern schon von „DDR 3“ statt von WDR 3 spricht. Kein gutes Omen für eine anvisierte rosa Radio-Zukunft. Alexandra Zwick

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