Web-TV im MDR : "Clipmania" zeigt die Menschen hinter den Internetvideos

TV-Sendungen mit Webclips gibt es seit langem. Zumeist geht es um Pleiten, Pech und Pannen, die Bildqualität spottet häufig jeder Beschreibung. Damit gaben sich MDR und DW nicht zufrieden.

Kurt Sagatz
Mina
Erfolg durchs Internet: Mina -Foto: MDR

Der Franzose Rémi Gaillard ist eine Berühmtheit – vor allem im Internet. Er ist der beste Grund für eine Sendung wie „Clipmania“. Gaillard mag versteckte Kameras und Sport. In seinem Heimatort Montpellier spielt er Squash vor der Polizeistation, eigentlich eher mit ihr. Er donnert die Bälle so lange gegen die Fassade, bis man ihn des Platzes verweist, aufgezeichnet von einem Camcorder, ins Internet gestellt und zu sehen in „Clipmania“.

Hinter der Sendung steht eine Kooperation des Mitteldeutschen Rundfunks MDR und des Auslandssenders Deutsche Welle (DW). Produziert wird von Ufa Entertainment in Potsdam Babelsberg. TV-Sendungen mit Webclips gibt es seit langem. Zumeist geht es um Pleiten, Pech und Pannen, die Bildqualität spottet häufig jeder Beschreibung. Damit gaben sich MDR und DW nicht zufrieden. „Die Videos, die die Einlasskontrolle von ,Clipmania‘ passieren, müssen spannend, informativ und unterhaltsam sein“, sagt der Moderator der deutschen „Clipmania“-Version Thomas Hackenberg. Die englische Fassung für die Deutsche Welle wird von Max Hofmann moderiert. Während andere Fernsehformate allein die Youtube-Videos nutzen, werden für „Clipmania“ die Originale beschafft, mitsamt der dazugehörigen Rechte. Zwischen den Clips spielt die Studioband, und die Studiogäste werden mitunter zur Mithilfe aufgefordert. Zum Beispiel, um die Anleitung zum Falten eines T-Shirts mit nur zwei Handgriffen nachzuprüfen.

Wichtiger sind die Besuche bei den Menschen hinter den Clips. Wie der 14-jährigen Mina, die ohne Castingshow, dafür aber mit einem Webvideo einen Plattenvertrag erhielt. Mit ihrem Song „How the angels fly“ stürmte sie die Charts und heimste diverse Preise ein. Bloß bei Feiern hält sie sich zurück: „Morgen um acht ist wieder Schule“, erklärt sie Hackenberg.

Die einen werden durchs Netz bekannt, andere nutzen es zur Kommunikation mit dem Volk, so wie Angela Merkel mit ihrem Video-Podcast. Alter und Geschlecht spielen im Web keine Rolle. Zu den Internetstars gehören genauso die sechsjährige Schlagzeugerhoffnung Igor aus Danzig wie der 80-jährige Web-Opa Peter Oakley aus England mit seiner Rentnerband „The Zimmers“. Bislang wurden von „Clipmania“ zehn Folgen zu je 25 Minuten abgedreht. Wenn es gut läuft, können es mehr werden. Je nach Erfolg möglicherweise auch im Ersten. Kurt Sagatz

„Clipmania“, MDR, 22 Uhr 50, im Internet unter www.clipmania.tv

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