Weniger Programme, besseres Fernsehen? : Flotter Dreier statt sechs Kostgänger

Die ARD schlägt dem ZDF vor, dass die sechs Digitalkanäle der beiden Systeme fusioniert werden. Das ZDF lehnt ab, die Debatte ist eröffnet.

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Wenn die Intendanten der ARD zusammensitzen, kommt meistens etwas Leckeres dabei heraus. Am Montag war es wieder soweit. Die ARD schlägt dem ZDF vor, die sechs öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle zu drei gemeinsamen Programmen zu fusionieren. Ein Kanal für junge Menschen (14 bis 29 Jahre) könne auf Basis der bisherigen Sender EinsPlus und ZDFkultur entstehen, teilte die ARD mit. Das Programm für jüngere Erwachsene (30 bis 49 Jahre) könne aus den Sendern EinsFestival und ZDFneo gestaltet werden. Im Informationsbereich könne die Zusammenarbeit von Tagesschau24 und ZDFinfo zu einem gemeinsamen Newskanal führen. Zur Begründung hieß es, die digitalen Sender beider Systeme könnten so besser profiliert und finanziert werden.

Das ZDF wies die Vorschläge umgehend zurück. Es es sei zwar nachvollziehbar, dass sich die ARD am Erfolg der Kanäle ZDFneo und ZDFinfo beteiligen wolle, die mehr Zuschauer erreichten als die Digitalableger der ARD. Das ZDF sehe in dem Vorschlag aber keine Sparpotenziale, sondern lediglich kompliziertere Strukturen. Die Digitalkanäle des ZDF würden ausschließlich durch Synergien und Verzicht aus Finanzmitteln des Hauptprogramms realisiert, erklärte der Sender. Sie erfüllten für das ZDF wesentliche Funktionen, etwa die Erprobung neuer Formate und Moderatoren sowie eine sinnvolle Verwertung des Programmarchivs. Die ARD könne hierfür die Dritten Programme und Bayern Alpha nutzen. Das ZDF verfolgt – anders als die ARD – eine erfolgreiche Digitalstrategie. Andererseits kann die ARD auf die Medienpolitik verweisen, die seit längerem ein neues Konzept der öffentlich-rechtlichen Sendern für ihre Digitalkanäle fordert. Sie wünscht sich insbesondere einen gemeinsamen Jugendkanal und auf jeden Fall eine Lösung, die die aktuelle Höhe des monatlichen Rundfunkbeitrages von 17,98 Euro nicht tangiert. Die Debatte ist eröffnet. Joachim Huber

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