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Weniger Zuschauer als 2013, mehr Zuschauer als 2009 : 16,23 Millionen sehen TV-Duell

Fehlende Themen? Zu wenig nachgehakt? Kritik am Format des TV-Duells lassen die Sender zu, nicht aber an den Moderatoren.

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Duell auch im Fitness-Studio. Auch für Sportler auf dem Laufband gab es nur ein Fernsehprogramm. Foto: dpa
Duell auch im Fitness-Studio. Auch für Sportler auf dem Laufband gab es nur ein Fernsehprogramm.Foto: dpa

Karl-Theodor zu Guttenberg brachte es im Anschluss an das TV-Duell bei Anne Will auf den Punkt. Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz unterschiedliche Positionen erkennen ließen, hätten die Moderatoren Sandra Maischberger (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Claus Strunz (Sat 1) „diese Punkte nicht genug herausgefiltert“.

„Danach ist man immer schlauer, natürlich hätte man an der einen oder anderen Stelle nachfragen können. Bei diesem straffen Zeitkorsett und bei der Fülle an Themen war dies aber schwierig“, hält ARD-Chefredakteur Rainald Becker entgegen. Und sein RTL-Kollege Michael Wulf fügt hinzu, dass die Moderatoren im Vergleich zu 2013 deutlich öfter nachgehakt hätten. Überhaupt, wie unterschiedlich doch die Wahrnehmung sein kann: Maybrit Illner sprach hinterher von einem „munteren und sehr wachen Gespräch“. Sandra Maischberger wäre mit einer „Elefantenrunde“ glücklicher gewesen. Mit den Spitzenkandidaten aller Parteien hätte es mehr Kontroversen gegeben. Immerhin gehörte ihre Frage nach dem Kirchenbesuch zu den wenigen Überraschungen des Abends.

Wenig Zeit für soziale Gerechtigkeit

Daran war jedoch nichts zu ändern, ganz anders als bei der Auswahl der Themen. Die Migration beschäftigte die Moderatoren gut die Hälfte der Zeit, neben Außenpolitik und Innerer Sicherheit sollte auch über soziale Gerechtigkeit gesprochen werden, doch da war die Uhr beinahe abgelaufen. Andere Zukunftsfragen blieben völlig ausgeklammert. Nicht nur FDP-Chef Christian Lindner fragte sich nachher: „Wieso gab es nichts zu Bildung, Digitalisierung, Euro, Energie, Klima, Innovation, Bürokratie?“ Man hätte nächsten Sonntag noch Zeit für ein zweites Duell, versuchte es Kloeppel, doch diese Anspielung verfing bei Merkel – die ein zweites Duell kategorisch abgelehnt hatte – nicht.
Zur Tradition des mittlerweile zum fünften Mal ausgetragenen Fernsehduells gehört, dass die ARD im Konzert der parallel übertragenden Sender immer die meisten Zuschauer an sich binden kann. Insgesamt haben 16,2 Millionen Zuschauer das Duell am Bildschirm verfolgt. Davon sahen 9,3 Millionen den politischen Schlagabtausch allein im Ersten. 3,7 Millionen entschieden sich für das ZDF, 2,1 Millionen für RTL und 930 000 Sat 1. Bei Phoenix schalteten 120 000 Zuschauer die Übertragung mit Gebärdensprach-Übersetzung ein. Den Anne-Will-Aufarbeitungstalk nach dem Duell sagen 7,47 Millionen Fernsehzuschauer.

TV-Duell 2017 bei den Quoten im Mittelfeld

Insgesamt ordnet sich das Duell im Mittelfeld ein. Das „Duett“ fand zwar mehr Interesse als das Duell Merkel vs. Frank-Walter Steinmeier 2009 mit 14,3 Millionen, aber weniger als das Treffen Merkel vs. Peer Steinbrück 2013 mit 17,6 Millionen Menschen. Die bisher höchste Einschaltquote aller TV-Duelle erzielte die Diskussion zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder 2005 mit 20,98 Millionen.

Und was meinen die Sender zum aktuellen Duell? „Auch wenn das Aufeinandertreffen in Teilen mehr "Duett" war – eines war es auf keinen Fall: langweilig“, sagte ARD-Chefredakteur Becker am Montag. Sat-1-Nachrichtenchef Hans-Peter Hagemes lässt Kritik an den Moderatoren nicht gelten: Sie hätten wenn nötig nachgehakt, es sei auch nicht um möglichst überraschende Fragen wie nach dem Kirchenbesuch gegangen, sondern um Antworten auf Fragen, die den Zuschauern möglichst ein besseres Bild über die politischen Positionen der Duellanten geben. Das Zuschauerinteresse spiegelt für den Sat-1-Nachrichtenmann den verhaltenen Wahlkampf wider, „ein Wahlkampf, der die Ähnlichkeiten zwischen den Positionen der Volksparteien in vielen Fragen nicht überdecken kann“.

Besonders forsch wollte Claus Strunz auftreten, doch statt „Klartext“ stiftete der Sat-1-Moderator eher Verwirrung. Ob Schulz immer noch meine, was die Flüchtlinge mitbrächten, sei wertvoller als Gold? Dumm nur für Strunz, dass Schulz’ Gedächtnis besser war als die Vorbereitung des Sat-1-Mannes. Der SPD-Politiker korrigierte Strunz. Er habe gesagt, die Flüchtlinge hätten einen „unbeirrbaren Glaube an Europa“. Das sei wertvoller als Gold.

In einem waren sich am Tag danach die Verantwortlichen bei ARD, RTL und Sat 1 einig: Zwei Duelle wären doch besser gewesen als eines. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, sieht das auch so, allerdings betont er nach wie vor: Ein Duell ist besser als kein Duell. „Bei aller berechtigten Kritik hätten wir den Wählern keinen Gefallen getan, wenn sie dieses einzige Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten im Wahlkampf hätten platzen lassen.“

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