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Wenn ARD und ZDF nicht übertragen wollen : DOSB und IOC machen selber Sportfernsehen

Der Sport braucht die TV-Bilder. Also setzen Deutscher Olympischer Sportbund und Internationales Olympisches Komitee auf eigene Kanäle im Internet

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sportdeutschland.tv will die Handball-WM in Katar übertragen
sportdeutschland.tv will die Handball-WM in Katar übertragenFoto: dpa

Eine Wende ist es nicht, eine Veränderung schon. Die Sportverbände machen selber Fernsehen: der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) veranstaltet seit fünf Monaten sportdeutschland.tv, das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschließt einen Sportsender im Internet. Beide Projekte vereint die Absicht, (olympischen) Sportarten, die kaum oder keine Chancen auf Bild und Ton im klassischen Free- oder Pay-TV haben, eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Auch an deren Sponsoren und Werbepartner wird so gedacht. Bei sportdeutschland.tv laufen inzwischen mehr als 40 Sportarten. Bisheriger Höhepunkt für den Online-Sportsender des DOSB waren die Übertragungen von der Volleyball-WM.

Sportdeutschland.tv könnte durch die Übertragung der Handball-WM 2015 in Katar einen gewichtigen Schub erhalten. Für den noch jungen Internet-Sender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wäre das „eine tolle Sache“, sagte Simon Franke, der Vermarktungs-Chef der DOSB New Media GmbH, der dpa. Die Verhandlungen mit den Rechteinhabern laufen noch. Franke hofft auf eine Einigung „möglichst vor Weihnachten“.

Sportdeutschland.tv ist trotz der missverständlichen Endung kein TV-Sender, sondern ein nur im Internet zu empfangender Anbieter. Gegründet hat ihn der DOSB mit seinen 98 Mitgliedsorganisationen. „Sportdeutschland.tv kann sicher nicht eine Übertragung im frei empfangbaren Fernsehen ersetzen“, sagte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper. Entsprechend gelassen reagierte Michael Amsinck, ZDF-Sportrechtebeauftragter und einer der beiden Geschäftsführer der gemeinsamen Sportrechte-Agentur SportA von ARD und ZDF, auf eine mögliche Konkurrenz von sportdeutschland.tv. „Veranstalter werden auch künftig vorrangig Interesse an einer TV-Verwertung haben, da sie an einer möglichst großen Verbreitung ihrer Veranstaltungen interessiert sind“, sagte Amsinck dem Tagesspiegel. Nicht viel anders die Reaktion von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky:

"Es gibt bereits seit Jahren einzelne Veranstalter und Verbände, die über ihre Veranstaltungen im Internet auf zum Teil eigenen oder Drittplattformen berichten. Da es sich dabei um ein absolutes Nischenangebot handelt und jeder Veranstalter zumeist relevante Einnahmen aus einer möglichen Rechteverwertung anstreben muss, gab und gibt es derzeit keinen wirklich neuen Sachstand, der die ARD zu aktuellen Reaktionen veranlassen könnte."

Das International Olympic Comittee hat gerade die Gründung eines eigenen InternetSportkanals beschlossen, der zwischen den Olympischen Spielen in fernsehtauglicher Qualität Übertragungen von olympischen Sportarten zeigen soll. Der Kanal, für den zunächst knapp 500 Millionen Euro veranschlagt sind, soll 365 Tage im Jahr senden und seinen Sitz in Madrid haben.

Der Sendeauftrag zwischen den Spielen und die Verbreitung über das Internet folgen dem Kalkül, dass dieses Engagement die Milliarden-Erträge aus den Lizenzen für Free- und Pay-TV nicht gefährden darf. Also bleibt Olympia für das IOC-Fernsehen ausgeschlossen. ARD und ZDF haben ja bereits die Übertragungsrechte für Sommer 2016 in Rio erworben, der US-Sender NBC sogar schon bis 2020 in Tokio.

Für die öffentlich-rechtlichen Stationen in Deutschland müssen die Aktivitäten von DOSB und IOC gar nicht von Nachteil sein, weil der Druck, selber zuschauerschwachen Sport zeigen zu sollen, mit Blick auf das Internet-TV der Verbände spürbar abnimmt. Joachim Huber

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