"Wetten, dass..."-Debüt : Lanz will zu viel auf einmal

Bei seinem Debüt als „Wetten, dass..?“-Moderator versucht Markus Lanz, den Laden zusammenzuhalten – und scheitert. Die schmerzhafte Erkenntnis des Abends: Die Show hat es hinter sich.

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Einen Balanceakt musste Markus Lanz (M.) am Samstagabend bei seiner ersten Moderation von „Wetten, dass..?“ im ZDF meistern. Fußballer Rafael van der Vaart (l.), dessen Frau Sylvie und Wettkandidat Cihan Calis boten Hilfe an.
Einen Balanceakt musste Markus Lanz (M.) am Samstagabend bei seiner ersten Moderation von „Wetten, dass..?“ im ZDF meistern....Foto: dapd

Wenn sie sich doch anders entschieden hätten, all diese Menschen, die gefragt wurden und die Menschen, die gefragt haben, dann hätte am Samstagabend ja tatsächlich Hape Kerkeling moderiert oder Klaas Heufer-Umlauf oder Jörg Pilawa. Dann hätte man in den vergangenen Wochen vielleicht nicht so viel darüber diskutiert, ob Markus Lanz das kann – die größte Unterhaltungsshow Europas zu moderieren. Dann hätte man sich schlichtweg gefreut (Kerkeling, Heufer-Umlauf) oder sich maßlos aufgeregt (Pilawa). Und wenn Thomas Gottschalk nicht zwei schlechte Ideen gehabt hätte, nämlich eine Vorabendshow in der ARD zu machen und Jurymitglied beim RTL-„Supertalent“ sein zu wollen, dann hätte man sich dieses Angezicke alter Männer ersparen können, dieses Gekeife von Dieter Thomas Heck und Frank Elstner. Hätte, hätte, Herrentoilette.

Wieso hat eigentlich keiner Wolfgang Lippert gefragt, was er von all dem hält? Wie fühlt der sich wohl gerade in diesen Tagen, in denen es so viel um „Wetten, dass..?“ geht und überhaupt nicht um ihn, obwohl er ja tatsächlich versucht hat, ein paar Ausgaben der ZDF-Show zu moderieren? Was Lippert von all dem hält, ist ähnlich interessant wie das, was die anderen von all dem halten – nämlich überhaupt nicht, und Markus Lanz tat gut daran, dass er sich zu dem meisten nicht geäußert hat, obwohl er vielleicht auch zwei Interviews zu viel gegeben hat in den vergangenen Wochen. In der Hauptsache hat Markus Lanz einfach seine ZDF-Talkshow weiter moderiert, Freitagabend noch mal „Lanz kocht“, aber den souveränsten Auftritt lieferte er am Montagabend ab, er dauerte gerade mal eine Sekunde: auf ProSieben lief eine Spezialausgabe von „Switch Reloaded“, jener Fernsehverulkungscomedy, die mal sehr gut war und im Moment sehr mittelmäßig. Es ging um „Wetten, dass..?“, um die erste Lanz-Ausgabe, Gottschalk lief in den Kulissen rum, Oliver Kahn kommentierte, und am Ende gab es einen kleinen, feinen Auftritt von Markus Lanz als Bühnenarbeiter: schweigend, lächelnd.

Lanz moderiert "Wetten, dass...?"
Ein neues Gesicht, sonst aber ganz die Alte: Die Sendung "Wetten, dass...?" - erstmals moderiert von Markus Lanz - präsentierte sich am Samstagabend pompös wie immer. Auf dem Sofa saßen Superstars wie Campino von den Toten Hosen, Sylvie Van Der Vaart, Rafael Van Der Vaart, Karl Lagerfeld, Bülent Ceylan, Rolando Villazon, Hannelore Kraft und Wotan Wilke Möhring. Die viel interessantere Frage aber war: Wie würde sich "Der Neue" schlagen? Kann Markus Lanz "den Thommy machen"?Weitere Bilder anzeigen
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07.10.2012 08:07Ein neues Gesicht, sonst aber ganz die Alte: Die Sendung "Wetten, dass...?" - erstmals moderiert von Markus Lanz - präsentierte...

Selbstironie hat immer Kraft, aber die Frage blieb natürlich, ob Selbstironie eine dreistündige Fernsehshow tragen kann. Oder Lanz Qualitäten als Gastgeber einer Talkshow. Der Samstagabend ist etwas anderes, die Bühne, die Zuschauer, die Erwartungen, der ganze Druck. Keiner konnte im Vorfeld sagen, ob Lanz all dem gerecht wird, weil weder seine bekannten Stärken noch seine bekannten Schwächen irgendetwas mit „Wetten, dass..?“ zu tun hatten. Am Samstagabend geht es um etwas anderes. Um Präsenz. Darum, den Raum zu füllen. Darum, all die losen Fäden in den Hand zu behalten. Um Timing. Um Tempo. Um Präzision. Um Temperatur. All das ist wichtiger als die Wetten, wichtiger als das Konzept, wichtiger als die Gäste.

Ach, herrje, die Gäste! Werden immer überschätzt und diesmal symbolisiert die Auswahl der Gäste vielleicht ein wenig zu verkrampft den Versuch, die ganze Familie vor den Fernseher zu versammeln: Das ist Cro für die Jüngeren, Rolando Villazón für die Älteren, Jennifer Lopez und Sylvie van der Vaart für Papa, die „Toten Hosen“ für alle, Cindy aus Marzahn und Bülent Ceylan (bester Gag: „Mänhäm!“) für die Anspruchslosen und natürlich die Allzweckwaffe Karl Lagerfeld.

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