"Wetten, dass..?" : Die Brüder Gottschalk machten sich die Taschen voll

Thomas Gottschalk und sein jüngerer Bruder Christoph konnten "Wetten, dass...?" einem Bericht zufolge mittels einer gemeinsamen Firma in eine gewinnträchtige Kombi aus Show- und Werbearena verwandeln. Das ZDF gibt sich ahnungslos.

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„Autoverkäufer“ Thomas Gottschalk. F.: dpa
„Autoverkäufer“ Thomas Gottschalk. F.: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

War schon schön. Thomas Gottschalk hat „Wetten, dass..?“ zu Deutschlands größter TV-Show moderiert. Quoten hoch, Zuschauer glücklich, der Sender ZDF dankbar. Dankbar für die Thommy-Show über 24 Jahre und bis zu seinem Ausscheiden im Dezember 2011 so dankbar, dass Thomas Gottschalk und sein jüngerer Bruder Christoph mittels der gemeinsamen Firma Dolce Media „Wetten, dass..?“ in eine gewinnträchtige Kombi aus Show- und Werbearena verwandeln konnten.
„Der Spiegel“ dokumentiert in seiner akuellen Titelgeschichte, was den Millionen Zuschauern natürlich auch nicht entgehen konnte: „Wetten, dass..?“ war ein Schaufenster für Produkte wie Gummibärchen, Handys, Bier, Solardächer und Autos, immer wieder Autos. Neu an der Recherche des Nachrichtenmagazins ist zweierlei: Wie geschickt und findig die Gebrüder Gottschalk, namentlich der Dolce-Media-Geschäftsführer Christoph (ein Jahr jünger als der heute 62-jährige Thomas), vorgegangen sind, um interessierten Unternehmen die Werbebrücke in die Liveshow zu bauen. Und wie sich die Partner, darunter Daimler oder Audi, und das Zweite Deutsche Fernsehen sich immer wieder versichern ließen: Die Werbeauftritte seien alles, aber keine verbotene Schleichwerbung. Strikt würde den Regeln des Rundfunkstaatsvertrages gefolgt. Augen zu, Ohren zu, Mund zu – das war beim ZDF offenbar gelebte Praxis.
Dolce Media hatte sich die Markenrechte an der Show gesichert, die Firma schloss Verträge über Produktpräsentationen ab. Derartige Deals gab es reichlich. Im „Spiegel“-Artikel wird ein ZDF-Insider zitiert: „Da hat sich eine ganze Truppe mit ,Wetten, dass..?’ die Taschen vollgemacht.“ Der heutige ZDF-Intendant Thomas Bellut, Programmchef in der Gottschalk-Ära, gab sich zerknirscht: „Dass die Markenrechte an ,Wetten, dass..?’ in diesem Umfang extern vermarktet wurden, lag auch daran, dass Gottschalk für den Sender damals so wichtig war.“ Aber bereits am Sonntag erklärte ein Sendersprecher, dem ZDF lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass im Zusammenhang mit der Präsentation von Gewinnspielpreisen Schleichwerbung bei ,Wetten, dass..?’ stattgefunden habe. „Einflussnahme von Dritten auf redaktionelle Entscheidungen gab es nicht.“

Thomas Gottschalk wollte sich zu den Vorwürfen nur mit den Anwaltsworten „kein irgendwie geartetes Fehlverhalten“ äußern, Christoph Gottschalk war für den „Spiegel“ wegen einer angeblichen Safari nicht zu erreichen. Nun befindet sich „Wetten, dass..?“ in der Post-Gottschalk-Ära, in der Markus-Lanz-Phase. Ein umstrittener Vertrag mit der Audi AG endet im Sommer, und ZDF-Chef Bellut versichert via „Spiegel“: „Die Vermarktung der Markenrechte und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es nach Gottschalk nicht mehr.“ „Wetten, dass..?“ eine autofreie Zone? Das Publikum ist gespannt. jbh

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