Wetten, dass.. ? : Die Sendung mit dem Lanz

Spätestens mit der vierten Ausgabe von „Wetten, dass..?“ dürfte der neue Moderator aus dem Schatten seines Vorgängers getreten sein. Egal, wie. Eine Nachtkritik.

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"Wetten, dass.. ?" mit Cindy aus Marzahn - und Markus Lanz.
"Wetten, dass.. ?" mit Cindy aus Marzahn - und Markus Lanz.Foto: dpa

Schon nach zwei Minuten war es soweit. Der erste Markenauftritt bei „Wetten, dass?“ Assistentin Cindy aus Marzahn ließ sich von Markus Lanz bei dessen vierter Moderation von Europas größter Samstagabendshow in einem Auto-ähnlichen Gefährt in die Halle fahren. Ein Auto, eine Marke, eine unerlaubte Produktplatzierung, schamlos, schon wieder!? Nun ja. Ein Mini-Gabelstapler. Was die Show dafür wohl unter der Hand bekommen hat?

Weit gekommen ist „Wetten, dass..?“ sowieso nicht. Die Dezember-Sendung kam aus Freiburg. Jetzt: Offenburg. Im Ernst, der Eklat um Gewinnspiel-Verträge bei „Wetten, dass..?“ hat diese Woche alle ein bisschen durcheinander gebracht, und das Thema Schleichwerbung beim ZDF ist sicher nicht ausgestanden. Nach Medienberichten soll die vom ZDF ins Boot geholte Produktionsfirma Dolce Media (Geschäftsführer: Christoph Gottschalk, der Bruder von Thomas) jahrelang die Preise für Gewinnspiele organisiert haben, zum Beispiel kostenlose Autos. Einige Firmen hätten dann Geld gezahlt, damit ihre Produkte in der Show besonders gut präsentiert würden.

"Wetten, dass...?" - Zweiter Versuch für Markus Lanz
Markus Lanz hat zum zweiten Mal "Wetten, dass...?" moderiert. Und wir stellen fest: Die Show lebt.Weitere Bilder anzeigen
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04.11.2012 07:44Markus Lanz hat zum zweiten Mal "Wetten, dass...?" moderiert. Und wir stellen fest: Die Show lebt.

Was liegt näher, als sich beim ersten „Wetten, dass?“ 2013 auf die lukrative Bespielung der Programmfläche zu fokussieren. Zudem die ewige Frage, ob Markus Lanz ein würdiger Nachfolger Thomas Gottschalks ist, mit jedem weiterem Auftritt als Moderator der neukonzeptionierten Show genauso obsolet erscheint wie die kurzfristig verkündete Idee des ZDF, Cindy aus Marzahn zur Dauerassistentin zu machen. Das ist im Grunde okay, Grelles und Schlagfertigkeit für die junge Zielgruppe. Das wird „Wetten, dass…?“ nicht weiter schaden.

In Sachen Schleichwerbung hat diese Show keine wesentlichen neuen Erkenntnisse gebracht. Und in Sachen Markus Lanz? Es ist ja so. Auch Lanz-Kritiker können sich der sympathischen Ausstrahlung des Südtirolers kaum entziehen. Mit dem Neuen ist die Show  zynismusfrei wie, sagen wir, die Sendung mit der Maus. Manchmal macht sich Lanz zum Seppl, zum Beispiel Rudertrainer fahren und dabei gegen einen Gast „Ich packe meinen Koffer“ spielen. Man kann sich das Ganze wunderbar mit Kleinkindern anschauen. Man hat sich erstaunlich schnell an diesen „Wetten, dass…?“-Moderator gewöhnt, seine Stärken und Schwächen.

An die stereotypen Interviews zu Kinofilmtrailershows von Stars wie Matthias Schweighöfer („Was hast du zu Weihnachten bekommen?“) und Denzel Washington („Ihre jüngste Oscar-Nominierung, wie fühlt sich das an?“ oder „Was sind die wichtigsten Sätze, dass eine 30-jährige Ehe gelingt?“). An die unfallfreie Präsentation der nach dem tragischen Unfall vor zwei Jahren weiter entschärften Wetten, überwiegend Kinder-Wetten. Oder der dürftiger gewordenen Promo-Showacts à la  Leona Lewis (Trügt das, oder wäre zu Thomas Gottschalk doch mal ein David Bowie gekommen?) An die zweieinhalbstündige Verbreitung von guter Laune, und ja, he, sogar an ein bisschen Selbstironie. Gleich zu Beginn spielten Lanz und Denzel Washington auf den missglückten Auftritt von Hollywoodstar Tom Hanks an, der sich in der vorletzten Ausgabe im Nachgang über diese seltsame deutsche Show gewundert haben soll. Was Hanks wohl am Samstag zu Comedian Ralf Schmitz oder Wett-Kandidat Steve aus Gera gesagt hätte, der Massageöle mit den Händen erkennt? Christiane Hörbiger und Magdalena Neuner saßen auch dabei. Denzel Wahington blieb bis zum Ende. Das kommt sonst nie vor, bei Hollywoodstars. Mittendrin nennt Cindy einen Leuchtmittelhersteller als Schneider ihres bunten Kleids. Dazu Lanz: „Schleichwerbung!“

Ein Ausreißer. Bestes Lagerfeuerfernsehen. Markus Lanz wird „Wetten dass..?“ keinen eigenen Stempel aufdrücken. Er versuchte es auch in Offenburg nicht. Muss er gar nicht. 9,04 Millionen Zuschauer am Samstagabend, mehr als beim zeitweise parallel ausgestrahlten „Dschungelcamp“, sind ein Pfund. Manches macht Lanz sogar so gut wie Gottschalk. In der Sendung wurde auch diesmal wieder ein Auto verlost. Kein Gabelstapler.

P.S. Dieser Text ist keine Schleichwerbung für Markus Lanz.

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