"Wetten, dass?" : Markus Lanz sieht sich als Medienopfer

Markus Lanz beklagt sich über den Umgang mit seiner Moderation bei „Wetten, dass..?“. Schon der Tag, als er den Zuschlag für die Nachfolge von Thomas Gottschalk bekommen habe, sei „kein Tag der Freude“ für ihn gewesen.

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Wer wollte das sehen? In der Sommer-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ forderte Markus Lanz den Schauspieler Gerard Butler auf, sich Eiswürfel in die Hose zu schütten.
Wer wollte das sehen? In der Sommer-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ forderte Markus Lanz den Schauspieler Gerard Butler auf, sich...Foto:dpa

Horst Seehofer tut es, Markus Lanz tut es. Der CSU-Politiker und der ZDF-Moderator, sie beide sehen sich als „Medienopfer“. Damit die Öffentlichkeit davon erfährt, haben Seehofer und Lanz denselben Weg gewählt – sie sind zu den Medien gegangen. Seehofer gab dem „Spiegel“ ein Interview. „Es gibt einen Qualitätsverlust in manchen Medien. Und die Herabsetzung von Politikern und Parteien nimmt zu“, sagte Seehofer.

Markus Lanz gab dem aktuellen „Stern“ ein Interview. Darin beklagt er sich über den Umgang mit seiner Moderation bei „Wetten, dass..?“. Schon der Tag, als er den Zuschlag für die Nachfolge von Thomas Gottschalk bekommen habe, sei „kein Tag der Freude“ für ihn gewesen. „Ich wusste, dass ich auf eine Lichtung rausgehe, und die Typen sitzen schon da mit gespannter Flinte“, beschrieb er sein Verhältnis zu Medienjournalisten.

Die zuletzt auf den historischen Tiefstand von 6,55 Millionen Zuschauern gesunkene Einschaltquote für „Wetten, dass ..?“ wertete Lanz auch als Folge der oft negativen Berichterstattung: Er finde es schade, „dass man Millionen Menschen etwas kaputtschreibt“, sagte der 44-Jährige. „Wenn Sie dauernd den Untergang herbeischreiben, dann kriegen Sie ihn auch.“

Zunächst verblüfft Seehofers Klage mehr als jene von Markus Lanz. Der CSU-Vorsitzende hat bei der Landtagswahl in Bayern im September mit fast 48 Prozent einen Triumph eingefahren. Mit den Medien oder trotz der Medien? Das Verhalten des bayerischen Wahlvolks lenkt den Blick auf „Wetten, dass..?“ und seinen Moderator Markus Lanz. Es muss für den ZDF-Mitarbeiter schier unglaublich sein, und doch gibt es einen Bezug zwischen dem Wahlergebnis in Bayern und der Quotenentwicklung bei der ZDF-Show.

Die Menschen da draußen

Das Wahlvolk hat sich für Seehofer entschieden, so wie sich das Fernsehpublikum von „Wetten, dass..?“ abwendet. Für eine Mehrheit in Bayern macht die CSU eine erfolgreiche Politik für Land und Leute, für eine wachsende Zahl von Zuschauern macht Lanz keine gute Show.

Aber für beide, Wähler und Seher, gilt: Sie sind autonom. Zum Leidwesen nicht weniger Politjournalisten und von noch mehr Fernsehkritikern sind die „Menschen da draußen“ nicht die Tanzbären, die sich nach den Medien-Melodien im Kreise drehen. Auch wenn das Verhalten am Wahltag sicherlich – und hoffentlich – einem anderen Begründungszusammenhang als das Nutzungsverhalten am Fernsehabend folgt, so ist es eine simple wie verkürzte Annahme, dass Medien Menschen aussteuern können.

Speziell für das Fernsehen gilt das Grundgesetz: Das Publikum ist eine unheimliche Macht. In den Sendern sitzen Legionen von Zuschauerforschern, die den Programmmachern bis in die einzelne Sendesekunde hinein Daten und Erkenntnisse an die Hand geben sollen, um ein Programm in ein Quotenwunder zu verwandeln. Phänomen eins: Das Publikum hält sich nicht dran. Phänomen zwei: Zuschauerforscher und Programmmacher können Erfolg und Misserfolg en détail erst im Nachhinein erklären. Das ZDF hat im engen Verbund mit Markus Lanz das Konzept ausgearbeitet, wie der Thomas-Gottschalk-Nachfolger zum Steigflug ansetzen kann.

Da war – schade oder nicht – kein Medienjournalist beteiligt. Der hat nun wie das übrige Publikum auch auf das Angebot gewartet und darauf reagiert, mit deutlich mehr Buhs als Bravos. Darauf hat das ZDF wieder reagiert. Nach der besonders umstrittenen Mallorca-Ausgabe hat der Sender den extra für seinen neuen Moderator veränderten Ablauf der Show wieder zurückgenommen, „Wetten, dass..?“ ähnelt nun im Wesentlichen der Show wie unter Gottschalk. Dass die Nachfrage trotzdem sinkt und die Medienkritik mit Schärfe urteilt, das ist in Ordnung. Es ist nun mal die Aufgabe der Fernsehprofis, ein bestimmtes Fernsehen zu machen. Das Publikum hat dann ein Veto- und die Kritik ein Einspruchsrecht. So sind die Rollen verteilt.

Fast schon sympathisch, dass Markus Lanz nicht resigniert. Er schließt einen Blitz-Ausstieg bei „Wetten, dass..?“ nach der nächsten Sendung am kommenden Samstag aus. „Jetzt aufzuhören, wäre uncool. Schon um ein paar Leute aus der Meute zu ärgern, muss ich weitermachen“, sagte er.

Lieber Herr Lanz: Als Fernsehkritiker muss ich Ihnen sagen, dass ich mich nicht ärgere, wenn Sie weiterhin moderieren wollen. Ich bin kein Sadomasochist, der sich am liebsten mit Fernsehen quält. Aber ich urteile wie andere mit Vehemenz, wenn jemand Fernsehen macht, das er nicht kann. Also die herzliche Bitte: Zeigen Sie uns allen, dass Sie „Wetten, dass..?“ können.

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