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"Wetten, dass..?"-Quotendesaster : Markus Lanz mit neuem Negativrekord

In Düsseldorf präsentierte sich Markus Lanz zwar als guter Gastgeber. Der Quotenverfall von "Wetten, dass..?" geht dennoch weiter.

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Stimmiges Gesamtbild: Christian Rach (v.l.n.r.), Hilary Swank, Judith Rakers, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf Markus Lanz' "Wetten, dass..?"-Couch.
Stimmiges Gesamtbild: Christian Rach (v.l.n.r.), Hilary Swank, Judith Rakers, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf...Foto: ZDF

Es müssen intensive Gespräche gewesen sein, die ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs mit Markus Lanz, dem Moderator von „Wetten, dass..?“, geführt hat. Als der Südtiroler an diesem Samstagabend in Düsseldorf vor das Publikum trat, wirkte er jedenfalls gelassen wie selten zuvor. Es folgte einer seiner besten Einsätze für die traditionsreiche Unterhaltungsshow. Die Abwanderung der Zuschauer kann Lanz jedoch nicht stoppen, die Quoten befinden sich vielmehr im freien Fall. Nur noch 5,85 Millionen Zuschauer versammelte die ZDF-Show vor den Fernsehern, so wenig wie nie zuvor. Bereits beim letzten Mal hatte Lanz mit 6,3 Millionen Zuschauern einen Negativrekord verbucht.Dabei hatte Lanz Stargast Pharrell Williams am Samstag noch versprochen, dass acht Millionen Menschen seinen Song „Happy“ hören werden. Immerhin kann Lanz in Düsseldorf das Quotenduell mit „Deutschland sucht den Superstar“ für sich entscheiden. Die RTL-Sendung kommt nur auf 3,85 Millionen Zuschauer.

Es hätte der perfekte „Wetten, dass..?“-Abend werden können. Das Team von Markus Lanz hatte eine tolle Vorarbeit geleistet. Die Auswahl der Gäste saß, da kam kein Missklang auf. Mit Judith Rakers, Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf und Christian Rach hatten allein vier Fernsehschaffende mit Moderationserfahrung auf der Couch Platz genommen. Niemand versuchte hier, auf Kosten des anderen Applaus-Punkte zu sammeln. Und Markus Lanz gelang das kleine Wunder: Er ließ seine Gäste nicht nur zu Wort kommen, sondern auch ausreden. Selbst bei längeren Geschichten wie der von Klaas Heufer-Umlaufs Oma, die sich Lanz’ Talks zu einer früheren Sendezeit wünscht, blieb er gelassen. „Eine kleine Petition könnte helfen, ich habe da eine Menge Erfahrung“, scherzte Lanz in der richtigen Tonlage in Anspielung auf jenes Internet-Voting, bei dem 230 000 Menschen Lanz’ Absetzung als ZDF-Talker gefordert hatten.

Markus Lanz braucht mehr als asiatischen Glückstee

Bei genauerem Hinsehen war zwar schon zu erkennen, wie die Ungeduld bei Lanz immer wieder Bahn zu brechen drohte. In diesen Momenten bekamen seine Beine ein leicht zappliges Eigenleben. Oder er begann, an seinen Manschetten zu nesteln. Doch er hielt dagegen. Bis zum Ende der Show sollte ihn diese Ruhe nicht mehr verlassen. Am Anfang hatte er noch in Anspielung an den deutschen Dopingfall in Sotschi gesagt, für „Wetten, dass..?“ brauche man keinen asiatischen Glückstee, diese Sendung sei „ganz legales Doping“. Wenn Lanz an diesem Sonnabend Tee getrunken hat, dann enthielt er wohl eher eine Baldrian-Komponente.
So locker wie Thomas Gottschalk zu seinen besten Zeiten wird er nie werden, das schien auch Lanz begriffen zu haben. Doch in dieser Ruhe, die Lanz in Düsseldorf ausstrahlte, lag eine Kraft, die ihn weit über die reguläre Sendezeit hinaus getragen hat. In der zwölften Sendung nach der Gottschalk-Ära gelang es ihm, nicht in diese Unruhe hineinzufallen, die früher so oft das Gefühl vermittelte, er sei an den Antworten seiner Gäste gar nicht interessiert. An diesem Abend war Lanz ein Moderator, der Raum für seine Gäste schuf. Für Six Packs und Zoten fühlte er sich nicht zuständig. Und für die politisch unkorrekten Sprüche hatte er Christoph Maria Herbst dabei, dessen Büro-Satire „Stromberg“ gerade im Kino läuft.

Die Ausgeglichenheit verließ Lanz auch bei internationalen Stars wie der doppelten Oscar-Preisträgerin Hilary Swank nicht. Mit 15 Jahren und mit 75 Dollar in der Tasche kam sie zusammen mit ihrer Mutter nach Hollywood, um Schauspielerin zu werden, erzählte sie Lanz, der trotz Übersetzungspausen nicht die sonst störende Nervosität zeigte, die ihn zu seinen Karten und den nächsten Fragen treibt.
Eine gute Mischung wurde auch bei den Wetten gefunden. Verständlicherweise kam man anderthalb Wochen vor Rosenmontag in Düsseldorf an einer Außenwette mit Karnevalsbezug nicht vorbei. Aber der erfolgreiche Versuch, elf Mitglieder der Prinzengarde in Kamelle aufzuwiegen, war selbst den Nicht-Karnevalsfans zuzumuten. Zumal ansonsten auf rheinischen Humor genauso verzichtet wurde wie auf die mitunter leicht ekligen oder sogar gefährlichen Wetteinsätze. Muskelkraft und Geschicklichkeit trafen auf beachtliche mentale Höchstleistungen. Schöne Geschichten, wie Lanz nicht müde wurde, nach jeder Wette zu betonen. Doch die Wahrheit liegt nicht nur in der Halle, sondern am Ende in der TV-Zuschauerresonanz. Hier haben Lanz und „Wetten, dass..?“ offensichtlich bereits mehr Kredit verspielt als es sich das ZDF eingestehen will. Nach dem neuerlichen Quotendebakel kommt der Sender um die Antwort auf die Frage nicht herum: Wie lange noch?

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