Wettkampf um Übertragungsrechte : Die ARD kann ohne Olympia

Joachim Huber wundert sich über die Klage von ARD-Sportrechteintendant Ulrich Wilhelm, dass sich die Sender ein Wettrennen um die besten Sportrechte liefern

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Gefährdete Tradition. Bisher haben ARD und ZDF immer Olympia übertragen.
Gefährdete Tradition. Bisher haben ARD und ZDF immer Olympia übertragen.Foto: dpa

Auch ein Krokodil kann weinen. Damit es dick über die Wangen kullert, muss das Krokodil schon ein öffentlich-rechtlicher Intendant sein. Ulrich Wilhelm ist einer, er ist der Chef des Bayerischen Rundfunks, zugleich Sportrechte-Intendant der ARD. Wilhelm beklagt den Wettlauf der Sender um die Sportrechte, der dazu führt, dass das US-Unternehmen Discovery die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 erworben hat. ARD und ZDF müssen sich jetzt um Sublizenzen bemühen. RTL hat die Lizenzen für die EM- und die WM-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft gekauft. Ergebnis eines Bieterwettbewerbs, bei dem die öffentlich-rechtlichen Sender von der privaten Konkurrenz ausgestochen wurden.

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks und zugleich ARD-Sportrechteintendant.
Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks und zugleich ARD-Sportrechteintendant.Foto: dpa

Das war kein Verbrechen gegen das Publikum, das war nur ein Bruch mit der Übertragungstradition. Und wenn Wilhelm warnt, der Sport würde sich am Ende selbst schaden, wenn er „eine Kommerzialisierung bei diesen Sportarten auf die Spitze treiben“ würde, dann zeigt der Sachverständige, dass er ein aufrechter Mann mit einem Zug ins Naive ist.

Spitzensport ist durchkommerzialisierter Sport

Spitzensport ist Profisport, Profisport ist durchkommerzialisierter Sport. Jeder der Beteiligten – und das heißt Sportler, Verein, Verband, Rechteagenturen, Sender – holt heraus, was herauszuholen ist. ARD und ZDF profitieren davon, denn nur Spitzenleistungen garantieren Spitzenquoten. Mit ihren milliardenschweren Lizenzkäufen füttern sie das System, das Ulrich Wilhelm jetzt beklagt.

Für welchen und für wie viel Sport aber muss der Rundfunkbeitrag ausgegeben werden? Was an Olympia wird besser, wenn nicht Discovery/Eurosport, sondern ARD/ZDF übertragen? Spielt die Löw-Truppe schlechter, wenn die RTL-Reporter die „Woran hat’s gelegen?“-Frage stellen? Eine Sportübertragung ist die Übertragung eines Ereignisses, an dessen Zustandekommen und Qualität der übertragende Sender nur einen sehr geringen Anteil hat. Das gilt für das übrige Programm nicht. Da gehören mehr Ehrgeiz und mehr Geld hin.

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