Wie Politik im TV Spaß machen kann : Böse und bloßgestellt

Einseitig, polarisiert, verkürzt – das ist die Sicht auf die Welt, die in den politischen Comedy- und Late-Night-Shows vermittelt wird. Eine Chance, jüngeres, politikfernes Publikum zu erreichen.

Margreth Lünenborg
Deutlicher milder als die US-Kollegen: Oliver Welke präsentiert im ZDF die "heute-show".
Deutlicher milder als die US-Kollegen: Oliver Welke präsentiert im ZDF die "heute-show".Foto: ZDF

Dass längst nicht immer Politik drin ist, wo Politik draufsteht, ist eine Binse, die sich jedem Mediennutzer täglich offenbart: Der „Fall Edathy“ im Modus der öffentlichen Debatte mag alles Mögliche sein – moralische Empörung, rechtliche Grauzone, Kompetenz- und Postengerangel – am wenigsten jedoch lässt er einen politischen Diskurs erkennen. Aber das Phänomen lässt sich auch wenden. Politisches zeigt sich, wo ganz anderes draufsteht: Comedy, Satire, Late-Night-Talk. Hier werden nicht Fakten dargestellt und Hintergründe erklärt, sondern Entscheider bloßgestellt und Argumente sarkastisch gegen den Strich gebürstet.

Die ZDF-"heute-show" zeigt sich milder

In den USA schätzen insbesondere junge Zuschauer die „Daily Show“ als relevante Informationsquelle. Eine Dekonstruktion des professionellen Nachrichtenbetriebs wird hier goutiert. Die ZDF-„heute-show“ als deutsches Pendant zeigt sich (noch) deutlich milder. Auch bei den Late-Night-Talks zeigen sich gewichtige Unterschiede: US-amerikanische Formate wie „Letterman“ sind aus dem politischen Betrieb nicht wegzudenken. Ähnliches lässt sich kaum von Harald Schmidt oder Benjamin von Stuckrad-Barre sagen.

Damit stellt sich für die Kommunikationswissenschaft die Frage, ob und wie Unterhaltungsangebote den politischen Diskurs beleben können. Eine erste Leistung ist es, ein jüngeres, politikfernes Publikum zu erreichen. Das „Vergnügen am Politischen“ stellt sich beim Nachrichtenschauen nur selten ein, steht bei Comedy oder Late-Night aber im Vordergrund. In einem Vergleich von „Tagesschau“ und „Harald Schmidt“ von Cordula Nitsch und Dennis Lichtenstein an der Uni Düsseldorf zeigt sich, dass im Missachten der Regel nach Ausgewogenheit die spezifische Leistung liegt: Einseitig, polarisiert, verkürzt – das ist die Sicht auf die Welt, die hier vermittelt wird. Ein Schaden für den politischen Diskurs? Keineswegs zwangsläufig – kann es doch ritualisierte Muster der politischen Konfrontation als das sichtbar machen, was sie sind: Show.

-Margreth Lünenborg ist Professorin für Kommunikationswissenschaft/Journalistik an der FU Berlin.

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