Wirbel um "Gottschalk live" : Millionen-Abfindung für Gottschalk war korrekt

Der WDR hat die Verträge überprüft: Gottschalk wurde nicht mit Gebühren-, sondern mit Werbemillionen bezahlt und abgefunden.

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Thomas Gottschalk wurde für 144 Ausgaben "Gottschalk Live" bezahlt, moderiert hat er 70
Thomas Gottschalk wurde für 144 Ausgaben "Gottschalk Live" bezahlt, moderiert hat er 70Foto: dpa

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat sich vom ordnungsgemäßen Zustand der „Gottschalk Live“-Verträge überzeugt. Nach mehrtägiger Prüfung kam die größte ARD-Anstalt zu dem Schluss, dass ihrer Ansicht nach bei der Honorarzahlung an Moderator Thomas Gottschalk alles korrekt über die Bühne gegangen ist. Der Sender teilte am Mittwoch mit, dass die Geschäftsleitung die Vorgänge aus den Jahren 2011 und 2012 geprüft habe. Die ARD-Intendanten hätten im Juni 2012, also nach 70 ausgestrahlten Sendungen, von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Die sogenannten Abbruchkosten hätten die Werbetöchter übernommen, somit seien nicht Gebührengelder eingesetzt worden. Auch die Fortzahlung des Moderatorenhonorars bis zum Ende der Vertragszeit sei darin enthalten gewesen.

Gesamthonorar für Gottschalk: 4,6 Millionen Euro

Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) hatte am Wochenende publik gemacht, dass bis zu 2,7 Millionen Euro an Gottschalk ohne Gegenleistung geflossen seien, und hatte darüber Aufklärung verlangt. Der Vertrag mit dem Moderator sah 144 Ausgaben „Gottschalk Live“ für ein Honorar von 4,6 Millionen Euro vor. Da Gottschalk trotz nur 70 geleisteter Moderationen auf der Gesamtsumme bestand – was ihm im Vertrag auch zugestanden worden war –, erhielt er 2,23 Millionen Euro Abfindung für 74 nicht mehr produzierte Sendungen.

Der WDR rechtfertigte das Honorar für Gottschalk damit, dass es „aus Sicht der damals Beteiligten seiner Bekanntheit und seinem Marktwert als einer der beliebtesten Moderatoren in Deutschland und der exklusiven Zusammenarbeit Rechnung trug“.

Ruth Hieronymi, Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, erklärte auf Anfrage, dass der Gottschalk-Vertrag den Gremien des Senders nicht vorgelegen habe. „Der Grund dafür ist, dass die Produktion nicht aus Rundfunkgebühren finanziert wurde, sondern ausschließlich aus Werbeeinnahmen. Eine Zustimmung der Gebühren war nicht einzuholen.“

Dabei beließ es der WDR-Rundfunkrat aber nicht, auch deswegen nicht, weil die Vertragsbedingungen nach Hieronymis Angaben kritisch diskutiert wurden. Noch im Jahr des Abbruchs von „Gottschalk Live“ wurde deswegen mit den ARD-Intendanten „eine stärkere Beteiligung der ARD-Gremien an Verträgen über werbefinanzierte Produktionen vereinbart“. Die Zustimmung der Gremien müsse eingeholt werden. So ein Trick wie der, die Gottschalk-Verträge an den Gremien vorbeizuschleusen, der würde heute nicht mehr funktionieren.

Die amtierende WDR-Geschäftsleitung geht ebenfalls auf Distanz zum Geschehen 2012. Sie gibt zu verstehen, dass die damalige Intendantin Monika Piel treibende Kraft beim Gottschalk-Deal war – nicht aber ihr Nachfolger Tom Buhrow. Joachim Huber

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