Medien : Wird schwer für KMH

ZDF gelingt Auftakt zur Champions League.

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Der doppelte Oliver. Was Welke (links) mit Kahn bei der Champions-League-Premiere besprach, ließ keine Sehnsucht nach Katrin Müller-Hohenstein aufkommen. Foto: ZDF
Der doppelte Oliver. Was Welke (links) mit Kahn bei der Champions-League-Premiere besprach, ließ keine Sehnsucht nach Katrin...Foto: Marianne Müller

Es ist ja schon auch ein bisschen geisteskrank: Ein Sender gibt ein Heidengeld aus für ein Programm, von dem er nicht weiß, ob es gut ist oder schlecht. Der Sender kann die Qualität nicht einmal beeinflussen, er weiß auch nicht, wie es am Ende ausgeht, aber er muss es zeigen. Eigentlich muss man schon ziemlich verrückt sein, wenn man sich so etwas antut, und als Irre treten die Verantwortlichen des ZDF selten in Erscheinung.

In dieser Saison zeigt der Sender Spiele der Champions League, Dienstagabend war der Anfang mit dem Qualifikationshinspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Dynamo Kiew. 4,30 Millionen Zuschauer haben zugesehen, wie Gladbach verlor. Wahrscheinlich scheidet Gladbach aus, aber es gehört zum Wesen der Fernsehkritik, dass das Spiel an sich an dieser Stelle nicht wirklich interessiert. Hier geht es um die Qualität der Präsentation. Und da wurde man als Fernsehzuschauer in der Vergangenheit nicht unbedingt verwöhnt.

Eigentlich konnte das ZDF also nur gewinnen. Nachdem aber der Sender während der EM und auch während der Olympischen Spiele im Vergleich zur ARD eher Zweiter wurde, musste man skeptisch sein – und war am Ende positiv überrascht. Man hörte dem Kommentator Béla Réthy zeitweise die Erleichterung an, dass er wieder was zu einem Fußballspiel sagen durfte und sich nicht wie zuletzt, bei Olympia, an Hockey abarbeiten muss – einer Sportart, die ihm so fremd schien, dass das ZDF einen Ko-Kommentator neben ihn setzte. Durch sein erstes Champions-League-Spiel kam Réthy unfallfrei. Zumindest kann man ihm nicht die Schuld für die Niederlage geben.

Überhaupt war es nicht unbedingt eine Niederlage für das ZDF, was vor allen an Oliver Welke lag. Es gab mal eine Zeit, da sah es so aus, als würde Welke sein Talent beim Privatfernsehen verschleudern, dann gab ihm das ZDF die Moderation der „heute show“ und er übertraf die Erwartungen des Senders und der Zuschauer. Es scheint so, als fühle sich Welke im Umfeld eines öffentlich-rechtlichen Programms gut aufgehoben. Welke nimmt sich und den Fußball nicht allzu ernst, muss das aber nicht ständig durch Augenzwinkern-Moderationen demonstrieren, wie es zum Beispiel Matthias Opdenhövel in der ARD macht.

Im Vergleich mit Katrin Müller-Hohenstein scheint Oliver Welke auch der bessere Partner für Oliver Kahn zu sein, der sich ja durch seinen Wutausbruch nach dem letzten Länderspiel in die Expertenliga von Günter Netzer und Mehmet Scholl reinquatschen wollte. Die beiden harmonierten zusammen, sie fühlten sich wohl, sie mussten auch keine Längen herstellen, das ZDF muss die Analyse nach einem Champions-League-Spiel nicht unnötig in die Länge ziehen, um Werbeblöcke unterzubringen. Auch das war schön anzusehen.

Fußball, so sagte es Oliver Welke am Dienstagabend, sei ein „Fehlervermeidungsspiel“. Das gilt in Teilen auch für das Fernsehen, und das ZDF hat diesmal fast alle Fehler vermieden (abgesehen von den selten hässlichen Mikrofonen – blau und orange springen schon doll ins Auge). Sogar das sogenannte obligatorische „Gewinnspiel“ hatte eine ungeahnt hohe Qualität, die Frage muss man fast schon seriös nennen, kein Schenkelklopfer, wie ihn sich die Praktikanten bei Sat1 einfallen ließen. Als Fernsehzuschauer und Fußballfan darf man hoffen, dass das ZDF diese Form bis zum Champions-League-Finale hält. Matthias Kalle

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