Wulff-Affäre : Christian und die Detektive

11.01.2012 00:00 UhrVon Markus Ehrenberg
Vorbild GuttenPlag. Die Website WulffPlag puzzelt auch den Mailboxinhalt zusammen. Die anonymen Macher wollen dabei „Transparenz, keine Stigmatisierung“. Screenshot: Tsp
Vorbild GuttenPlag. Die Website WulffPlag puzzelt auch den Mailboxinhalt zusammen. Die anonymen Macher wollen dabei „Transparenz, keine Stigmatisierung“. Screenshot: Tsp

„Guten Abend, Herr Diekmann. Ich rufe aus Kuwait an." Die Website „WulffPlag“ versucht eine Aufarbeitung im Netz.

Es war nur eine Frage der Zeit: Nach der gemeinschaftlichen Untersuchung von Karl-Theodor zu Guttenbergs und Silvana Koch-Mehrins Doktorarbeiten hat sich nun eine Gruppe von Usern zusammengefunden, um auf der Website „WulffPlag“ die aktuellen Aussagen des Bundespräsidenten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dabei soll der legendäre Anruf auf der Mailbox von „Bild“-Chef Kai Diekmann rekonstruiert werden. Bislang hat eine Vielzahl von Titeln und Journalisten nur kurze Fragmente verraten. So gab Ulrich Deppendorf in einem „Tagesschau“-Interview einen Satz preis. Auch die „FAZ“ und die „Süddeutsche Zeitung“ zitierten aus der Mailbox-Nachricht, von der offenbar „SZ“-Reporter Hans Leyendecker vollständige Kenntnis hat, wie dieser am Montag dem verdutzten Frank Plasberg in „Hart aber fair“ verriet.

Angeblich hat die „Bild“ den Wortlaut von Wulffs Anruf längst breit gestreut – eine lohnenswerte Aufgabe für Web-Detektive, die einzelnen Fragmente zusammenzusetzen. Das bisherige Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen wirkt schlüssig. Fußnoten erläutern, woher die Information stammt. Das liest sich ungefähr so: „Guten Abend, Herr Diekmann. Ich rufe aus Kuwait an. Bin gerade auf dem Weg zum Emir (...) und deswegen hier sehr eingespannt.“ Und weiter: „Wenn man nicht bis Mittwoch wartet und dann sagt ‚Okay‘, wir wollen den Krieg und führen ihn.“ Zum Schluss: „Das bedeutet den endgültigen Bruch zwischen dem Bundespräsidenten und dem ’Springer’-Verlag“, sollte diese ,unglaubliche‘ Geschichte tatsächlich erscheinen.“ Diese Textpassagen hat Christopher Lauer von der Piratenpartei noch anschaulicher gemacht: Er liest die angebliche Mailbox-Nachricht auf seiner Webseite vor.

Das offizielle Ziel dieses Projektes sei „die möglichst genaue und objektive Auflistung der Vorwürfe gegen Christian Wulff“, einschließlich aller be- und entlastenden Umstände. „Wir wollen Transparenz, keine Stigmatisierung.“ Unterteilt ist das Wulffplag in Kategorien wie „Vorteilsannahme in Form eines Privatkredites und dessen Verschleierung“, „Vorteilsannahme in Form eines Geldmarktdarlehens und dessen Verschleierung“ oder „Nötigung von Redaktion und Verlag der ,Bild’-Zeitung und der ,Welt am Sonntag’“. Das Wulffplag ist seit Samstag online und sucht weiter Mitstreiter. Schon in der vergangenen Woche, nach Bekanntwerden der Affäre, diskutierten User via Facebook und Twitter und nahmen Wulff auf die Schippe. Beim GuttenPlag Wiki arbeiteten seinerzeit Internetnutzer zusammen, um möglichst viele Textstellen der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg zu überprüfen. Die gemeinsame Arbeit vieler einander unbekannter User deckte zahlreiche Plagiate auf. Das Wiki wurde später mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

http://de.wulffplag.wikia.com/wiki/Wulffplag_Wiki

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