ZDF baut Online-Auftritt um : Netflix lässt grüßen

Aus zwei mach eins: Das ZDF führt seine Mediathek und die Webseite zusammen und personalisiert das Angebot.

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ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann wirbt für die neue ZDF-Onlineseite.
ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann wirbt für die neue ZDF-Onlineseite.Foto: dpa

Es ist immer vernünftiger, sich auf eine Auseinandersetzung gut vorzubereiten, als später der Entwicklung hinterherzuhecheln. Das gilt auch fürs Fernsehen. Noch liegen kostenpflichtige Videostreaming-Dienste wie Amazon Prime oder Netflix in der Reichweite zwar hinter den kostenlosen Angeboten der klassischen TV-Anbieter, wie die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 gerade ergeben hat. Aber die neuen Anbieter holen auf. 15 Jahre nach dem Start und neun Jahre nach dem letzten großen Umbau hat das ZDF nun seiner Mediathek eine Runderneuerung verschrieben. Am Freitag nächster Woche geht das neue Angebot online, das die ZDF-Webseite mit der Mediathek zu einem Videoportal verschmilzt. Die Grundzüge des Relaunchs hat Eckart Gaddum, der Leiter der ZDF-Redaktion Neue Medien, bereits vorab bekannt gegeben.

„Mit dem Relaunch verschmelzen wir unser Programmportal ZDF.de und die Mediathek zu einem zentralen Angebot“, sagte Gaddum. „Damit setzen wir unsere Strategie, Bewegtbild in den Mittelpunkt zu stellen, konsequent fort.“ Auch damit befindet sich das ZDF in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Online-Studie. Demnach hat sich in diesem Jahr der Nutzerkreis von Online-Bewegtbild abermals deutlich erweitert. 72 Prozent der Bevölkerung (50,1 Millionen Personen) nutzen zumindest gelegentlich bewegte Bilder im Internet. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Anteil um sieben Prozentpunkte gewachsen, heißt es in der Studie.

Nach Genres unterteilt

Wer die neue ZDF-Hauptseite inklusive Mediathek öffnet, wird ganz oben auf das neue Top-Angebot – zum Beispiel den ZDF-Montagsfilm – hingewiesen. Darunter folgt die Neuheiten-Rubrik. Die weiteren Bereiche sind thematisch sortiert. Dort finden sich unter anderem Nachrichten, Filme/Serien, Doku/Wissen und Comedy, dann folgen ein Blick auf das Netzangebot „Funk“ für junge Leute und persönliche Empfehlungen.

Neu ist „Mein ZDF“, mit dem Nutzer ihr persönliches Programm von Krimis bis Talkshow zusammenstellen können, wenn sie angemeldet sind. In persönlichen Empfehlungen schlägt der Sender Videos vor. Über ein Plus-Zeichen können Seiten in Facebook, Twitter und Google plus geteilt werden.

Eine Nähe zu den Angeboten von Netflix und Amazon ist dabei nach Meinung von Branchenbeobachtern wie Alexander Krei vom Mediendienst DWDL.de unübersehbar. Selbst eine Synchronisierung der eigenen Nutzung ist vorgesehen. So soll später ein Film für angemeldete Nutzer am Desktop-PC dort weitergeschaut werden können, wo man ihn am Tablet oder Smartphone gestoppt hat.

Klotzen, nicht kleckern ist auch finanziell die Devise des Umbaus: Das ZDF will einen siebenstelligen Eurobetrag investieren. In einer Werbekampagne sollen ZDF-Größen wie Claus Kleber oder der ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann Werbung für das neue Angebot machen.

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"Fernsehen ist quicklebendig"

Die Mainzer sehen in der neuen Mediathek keinen Rückschritt für das Fernsehen zugunsten des Internets. „Das Medium Fernsehen ist quicklebendig – egal auf welchem Gerät bleibt hochwertiges Bewegtbild gefragt“, erklärte ZDF-Chefredakteur Peter Frey per Mitteilung. Redaktionschef Gaddum betont, die Besucher könnten die ZDF-Mediathek wie ein selbstständiges Videoportal nutzen. „Dennoch wissen wir: Ihr Erfolg wird nach wie vor durch die Verbindung zu den ZDF-TV-Kanälen gepusht.“ Künftig will das ZDF noch öfter Sendungen online vorab ausstrahlen oder Pakete zum „Binge-Watching“ – bei dem man alle Episoden einer Serie am Stück schauen kann – anbieten.

ZDF.online ist vor 20 Jahren anlässlich der Olympischen Spiele in Atlanta gestartet, die Mediathek kam im Jahr 2002 hinzu. Inzwischen zählen beide Seiten 45 Millionen Besuche monatlich. Seit fünf Jahren gibt es zusätzlich eine App für die mobile Nutzung. Die neue Mediathek wird es für Computer, Tablets, Smartphones und Smart-TVs geben, sowohl als Webseite oder App, wobei diese nur Videos bietet. Kurt Sagatz (mit dpa)

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