ZDF-Komödie "Die Lichtenbergs" : Allet wird jut, immerhin

Aber immer Berliner: Axel Prahl in einer Komödiendoppelrolle als Taxifahrer und Politiker. Geboten wird Bulette, nicht Bocuse

Nikolaus von Festenberg
Wie ein Ei dem anderen. Jochen (links) und Christian Lichtenberg (Axel Prahl).
Wie ein Ei dem anderen. Jochen (links) und Christian Lichtenberg (Axel Prahl).Foto: ZDF

Zu Münster pflügt der St.-Pauli-Fan an der Seite des Pathologen als „Tatort“-Kommissar durch die verruchte Provinz, im ZDF-Montagsfilm „Die Lichtenbergs“ gibt es Axel Prahl gleich doppelt: als Taxifahrer und als dessen Zwillingsbruder, einen Bundestagspolitiker. Die Frage dieses hochbesetzten Doppeltes-Lottchen-Spiels: Ist ein Proll-Vulkan wie Prahl überhaupt spaltbar?

Sie heißen Jochen Lichtenberg und Christian Lichtenberg. Jochen krebst als kleiner Berliner Taxiunternehmer knapp über der Verarmungsgrenze, Christian, der Abgeordnete, dagegen blickt wie ein satter Vollmond von Wahlplakaten. Gleich die ersten Szenen dieses auf eine Verwechslungskomödie hinauslaufenden Lustspiels (Buch: Oliver Martex, Gernot Gricksch; Regie: Matthias Tiefenbacher) zeigen, dass das prahle Doppelleben mehr Säbel als Florett, mehr Bulette als Bocuse werden wird.

Der Lobbyist wird von einer erotischen Waffe bedroht

Dem Droschkenkutscher geht es wegen seiner Spielschulden an die Wäsche. Ein Eintreiber namens Fleischer (köstlich: Armin Rohde) kreuzt auf, der trotz unhöflicher Fäuste auf sprachlicher Korrektheit besteht, nur gesiezt werden will und von sich selbst in der dritten Person spricht. Jochen versteht Herrn Fleischer trotzdem ganz genau: Der möchte sein Geld zurück. Das vornehm tuende Bruderherz, Dr. Christian aus dem Reichstag, wird auch niedergestreckt. Nicht durch Schulden, sondern durch eine erotische Waffe, eingesetzt von heimtückischen Lobbyisten. Einer gedungenen Dame kann er nicht widerstehen, Liebesdienst verwirrt den Dienst am Vaterland. Das Dumme ist, dass sein nerviger Sohn (Noah Wichers) während der Vorbereitung zum Untreueakt angerufen hat und Christian das Telefon auszuschalten vergisst. Ehefrau Dorothe (Susanna Simon) hört das Gestöhne mit und verlässt ihren Mann. Eine halbseidene Journalistin (Tanja Wedhorn) wittert den Skandal. Sie heißt mit Vornamen Leila, da ahnt jeder sogleich ihre Penetranz.

Auch die Lobbyisten, angeführt von Christians Schwiegervater (Manfred Zapatka), erhöhen den Druck auf Christian. Der flieht, seine Frau vermissend, zu seinem Zwillingsbruder. Jochen, der ewig Klamme, hat gerade Glück in der Liebe und ist dabei , das Herz einer Sozialarbeiterin (Klasse: Anja Kling) zu gewinnen, bei der Engagement nicht selten in Rage umschlägt. Bruder hilft hinfort Bruder, der Taxler vertritt unerkannt den Politiker, der Politiker im ärmlichen Exil steckt die Prügel ein – der gewählt daherredende Herr Fleischer kann da nicht unterscheiden. Schließen wir hier die Inhaltswiedergabe – klar, allet wird jut –, und ziehen die Bewertungskärtchen für diesen Doppelaxel. Die A-Note für Besetzung, Handlungsdynamik und schauspielerische Küreinlagen fällt höher aus als die B-Bewertung für Musikalität, Charme und Dialogwitz. Dass eine von der Sozialarbeiterin unterrichtete junge Kursteilnehmerin statt von „Gebärmutter“ von „Gebermutter“ spricht – na,ja. Aber der Kalauer braucht keine Wiederholung und keine gestische Erklärung im Sinne eines Herausholens aus dem Schoß. So wenig wie das Reiben von Daumen und Zeigefinger, wenn einer den Doppelsinn von „Läuft wie geschmiert“ für die ganz Dummen verdeutlicht.

Prahl bleibt Prahl

Die Kernfrage aber bleibt und beruhigt. Prahl bleibt Prahl, ob im Taxifahrer-Look oder im Zwirn eines Abgeordneten. Einen weniger schizo-gefährdeten Schauspieler als ihn gibt es im Fernsehen nicht oft. Keine Rollenkonstellation kann seinen Kern auseinanderreißen. Stets wirkt er gehetzt, schwitzend – auch wenn kein Tropfen zu sehen ist – und stotteranfällig. Aber er bleibt immer vital. Der lebensphilosophischen Zerknirschung gibt er sich nur so lange hin, bis König Alkohol hilft. Das gewitzte Stehaufmännchen bleibt ein Unikat auch als Duplikat. Professor Börne aus Münster kann ein lautes Lied davon singen.

„Die Lichtenbergs“, ZDF, Montag, um 20 Uhr 15

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