ZDF-Krimi : Tödliche Doktorspiele

In seinem 27. Fall geht Münsters bekanntester Privatdetektiv Georg Wilsberg dem Mord an einem liebeshungrigen Universitätsprofessor nach.

Kurt Sagatz

Münster ist zuallererst eine Beamten- und Studentenstadt. Und Georg Wilsberg (Leonard Lansink) ist als Fernsehfigur in erster Linie als Privatermittler und erst dann als Antiquar interessant, wobei sich die beiden Rollen im Idealfall vermischen, so wie am Samstag in der Folge „Doktorspiele“. In der beschäftigt sich nicht nur der Buchliebhaber Wilsberg mit der Gaunersprache „Masematte“, sondern auch die Germanistikabteilung der Münsteraner Universität. Deren Leiter Professor Günter Kaiser wird mitten im Seitensprung mit einer Studentin erschossen – und Wilsberg macht die Fotos dazu. Kurz gesagt: Diese Folge enthält alle Elemente, die die Fans der Münster-Krimis so lieben.

Der letzte Wilsberg „Der Mann am Fenster“ lief gerade erst vor zwei Wochen, am Ostersamstag. Es war der ärgerliche Versuch, die Münsteraner Provinz mit weltpolitischen Hintergründen zu erweitern. Da wurde die westfälische Freiheit mal eben am Hindukusch verteidigt. Dass Wilsberg sich kurz nach einer Scheinexekution am Ende lächelnd von seinem Peiniger verabschiedete, hatte selbst den treuesten Anhänger verärgert.

Solche Peinlichkeiten bleiben den Zuschauern in der 27. Folge der Reihe, die das ZDF seit dem Start 1998 ausstrahlt, erspart. Die Beschäftigung mit der Geheimsprache Masematte ist dabei gar nicht so weit hergeholt. In Münster gehören Fragmente davon zur Alltagssprache. Begriffe wie jovel (gut) und schofel (schlecht) werden auch außerhalb Westfalens verstanden, und den Begriff „Laumalocher“ für Faulpelz muss man ebenfalls selten übersetzen. „Doktorspiele“ ist ein kurzweiliger Krimi, der gleich mit einem halbem Dutzend Verdächtiger aufwartet. Kommissarin Springer (Rita Russek) hält sich besonders an die Ehefrau des liebeshungrigen Professors. Nicht nur, weil Marie Kaiser (Elena Uhlig) Wilsberg mit der Observation ihres Mannes beauftragt hatte, auch eine gewisse Eifersucht spielt eine Rolle.

Um mehr als Eifersüchteleien und Erbstreitigkeiten geht es hingegen bei den beiden wissenschaftlichen Mitarbeitern des Professors. Auch von Viola Kohlmann (Claudia Mehnert) konnte Kaiser seine Finger nicht lassen. Ihr Kollege Dr. Haus zürnte dem Germanisten, weil er ihn als Verfasser eines Werkes schlicht vergaß. Zu allem Überfluss kennt Wilsberg Kaisers Professorenkollegen Varnholt noch aus seinen Zeiten als Rechtsanwalt. Und Ekki Talkötter (Oliver Korittke) ermittelt undercover auf dem Campus. Nur Overbeck (Roland Jankowsky) blickt wieder nichts. Kurt Sagatz

„Wilsberg: Doktorspiele“; 20 Uhr 15, ZDF

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