ZDF-Moderator : Locker, flockig, laut: Ein Nachruf auf Ben Wettervogel

Runde Brille, Regenschirm: So avancierte Ben Wettervogel zum Publikumsliebling des ZDF-"Morgenmagazins". Sein Vertrag mit dem Sender wurde Ende Oktober 2014 dennoch nicht verlängert. Ein Nachruf.

von
"Positive Grundstimmung": So kannten die Zuschauer Ben Wettervogel.
"Positive Grundstimmung": So kannten die Zuschauer Ben Wettervogel.Foto: Imago

„Locker und flockig“ sollte er das Wetter vorhersagen, nicht nur bei Schnee. Mit dieser Erwartung holte ihn das ZDF 2005 ins Moderationsteam seines „Morgenmagazins“, und Ben Wettervogel, mit bürgerlichem Namen Benedikt Vogel, enttäuschte den Sender nicht. Launig, ein bisschen laut und mit witzigen Einfällen kündigte er neun Jahre lang Regen, Sonnenschein oder Sturm an – obwohl man „das Wetter auch nicht zerquatschen müsse“, wie er einmal sagte. Nun hat sich der beliebte Moderator und Diplom-Meteorologe im Alter von 53 Jahren offenbar das Leben genommen.
Das ZDF bestätigte den Tod Wettervogels am Dienstag. Die Berliner Feuerwehr bestätigte ebenfalls, den Moderator am Montagnachmittag leblos in seiner Wohnung in Berlin-Friedrichshain aufgefunden zu haben.

Sein Vertrag war bereits im Oktober 2014 ausgelaufen

Wettervogel, der seinen Spitznamen bereits während seiner Zeit bei SWR3 bekam, war der erste Wetterexperte, der für das ZDF-„Morgenmagazin“ live aus dem Hauptstadtstudio moderierte. Bis 2005 war die Wettervorhersage immer aus dem Studio in Mainz eingeblendet worden. Mit der Verpflichtung des gebürtigen Münsterländers, dessen besondere Moderationsqualitäten eigenen Aussagen zufolge „Spontanität und Schnelligkeit“ waren, erhoffte sich das ZDF damals sprichwörtlich frischen Wind im Team. Der ehemalige Redaktionsleiter des ZDF- „Morgenmagazins“, Eckart Gaddum, sagte: „Beim ,Morgenmagazin’ geht es um die Vermittlung einer positiven Grundstimmung. Bei uns geht es locker zu, und bei uns wird im Studio auch gelacht“.

Dass der witzige Wettervogel 2005 in der Redaktion „gelandet“ sei, wie es aus dem ZDF hieß, war ein Glücksfall. Der damals 43-Jährige, der vorher vor allem für den Hörfunk gearbeitet hatte, avancierte mit runder Brille und Regenschirm schnell zum Publikumsliebling. Zwei Minuten Zeit hatte er durchschnittlich, um den Zuschauern zu sagen, was sie anziehen sollten – obwohl er sehr wohl wusste, dass rund 15 Prozent seiner Vorhersagen gar nicht eintreffen würden. Zwei Minuten, die die Zuschauer interessierten wie kaum etwas anderes im „Morgenmagazin“: War Wettervogel mit seiner Ansage durch, schalteten im Schnitt 40 000 Zuschauer prompt den Fernseher aus.

In den sozialen Netzwerken ist von einem "Karriereknick" die Rede

Das ZDF reagierte betroffen auf den Tod des Moderators. „Mit Bestürzung haben wir heute Morgen vom Tod unseres ehemaligen Kollegen Ben Vogel erfahren“, teilte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen am Dienstag mit. „Wir sind tief betroffen.“ Gleichzeitig verwies Theveßen allerdings darauf, dass das Vertragsverhältnis zwischen Wettervogel und dem ZDF nicht verlängert werden konnte. Wettervogels Vertrag mit dem ZDF war bereits Ende Oktober 2014 ausgelaufen. Seitdem war der Moderator nicht mehr auf dem Bildschirm zu sehen. Zu Hintergründen oder Details dieser Entscheidung äußerte sich der Sender auf Anfrage des Tagesspiegels nicht. In den sozialen Netzwerken war allerdings von einem „Karriereknick“ und angeblichen Depressionen Wettervogels die Rede. Der Moderator habe zuletzt sehr zurückgezogen gelebt.

Seine ehemaligen Kollegen äußerten sich bestürzt, meist via Twitter. Mitri Sirin, ebenfalls Moderator des ZDF-„Morgenmagazins“, schrieb: „Bin geschockt und traurig über den Tod von Ben Wettervogel. In Gedanken bei seiner Familie.“ Seine Mitmoderatorin Dunja Hayali twitterte: „Geschockt, traurig und fassungslos – Ben Wettervogel ist tot. R.I.P. Danke für neun Jahre im ,Morgenmagazin’.“
Auch das Publikum nahm in den sozialen Netzwerken Abschied von „seinem“ Wettervogel: „Er brachte mir morgens sogar bei miesem Wetter ein Lächeln ins Gesicht“, war dort zu lesen. „Du warst einer der Besten“. Oder einfach die schlichte Frage: „Ben, wie ist das Wetter dort oben?“

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

Autor

22 Kommentare

Neuester Kommentar