ZDFneo TV-Lab : Das Labor im Plattenbau

ZDFneo setzt mit seinem TV-Lab erstmals auf Serien-Experimente. Drei Konzepte stehen zur Auswahl. Welches gewinnt, entscheidet sich am Freitag.

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Auf den Leib geschrieben sind Eko Fresh (r.) und Ferris MC (l.) ihre Rollen in „Blockbustaz".. Ob sie das TV Lab gewinnen, entscheidet sich am Freitag.
Auf den Leib geschrieben sind Eko Fresh (r.) und Ferris MC (l.) ihre Rollen in „Blockbustaz".. Ob sie das TV Lab gewinnen,...Foto: ZDFneo

Welche der drei folgenden Charakternasen wird der ZDFneo-Zuschauer bald öfter zu sehen bekommen: Mark Eisen, der mit seiner „Alibi Agentur“ Männern Mitte 50 das perfekte Doppelleben organisiert, damit sie ihre Geliebte treffen können? Andi, eigentlich normaler Schlüsseldienst-Mitarbeiter, der sich mit einem ziemlich anhänglichen Tod herumärgern muss? Oder Sol, 30-jähriger Beinahe-Rapper, der im Plattenbau bei Mama wohnt – und sich dort pudelwohl fühlt? Die Entscheidung, welcher dieser Serienpiloten regelmäßig produziert wird, fällt am Freitagmittag. Bereits zum vierten Mal lässt ZDFneo seine Zuschauer im TV Lab über neue Formate entscheiden. Auf der Website des Senders konnten die Erstlings-Folgen von „Alibi Agentur“, „Jetzt ist Sense“ und „Blockbustaz – Willkommen in der Hood“ seit einer Woche gesehen und bewertet werden. Zusätzlich sendete sie ZDFneo am Donnerstagabend in komprimierten 90 Minuten hintereinander weg.

100 Vorschläge gab es. Nur drei haben es ins TV-Lab geschafft

Ja, das TV Lab war schon einmal ein größeres Spektakel. Noch nie war es auf Ficiton-Formate ausgelegt, aber vor allem wartete es die letzten Male mit deutlich mehr Auswahl und Sendezeit auf. TV-Lab-Leiter Slaven Pipic erklärt die eingedampfte Labor-Version so: „Die Anzahl der realisierten Ideen basiert auf produktionellen Zwängen. Fiktion zu produzieren ist teurer als eine Show-Idee umzusetzen“. Das Serien-Konzept ist also schuld, dass es von über 100 eingesandten Vorschlägen nur drei ins TV- Lab geschafft haben. Aber Serien wollen die Zuschauer nun einmal. Sagt ZDFneo.

Glaubt man den Abstimmungsklicks, wollen die Zuschauer vor allem ein Labor im Plattenbau. Schon nach wenigen Tagen hatte „Blockbustaz“ mehr als zehnmal so viele Klicks wie die anderen Piloten. Mit den Rappern Eko Fresh als Sol und Ferris MC als bester Kumpel Hardy hat „Blockbustaz“ aber auch eindeutig die bekanntesten Zugpferde des TV-Labs. In der für ZDFneo relevanten Zielgruppe der 25- bis 49-Jährigen dürften die beiden den meisten ein Begriff sein. Das war schon früher ein großer Kritikpunkt am Fernseh-Labor: Immer wieder gewannen nicht die – angeblich – besten Formate, sondern die, deren Paten die meisten Anhänger mobilisieren konnten. Bei Eko Fresh muss es dieses Mal ähnlich sein, denn sowohl Handlung als auch Witze sind eher mau. Ein Möchtegern-Rapper, der vor der tristen Kulisse eines Kölner Wohnsilos ab und an einen Rasenmäher klaut und auch mit 30 Jahren nicht von zu Hause ausziehen will: Kann man sich ansehen. Muss man aber nicht.

Mit dabei ist auch "Supergeil"-Sänger Friedrich Liechtenstein

Fetziger ist da schon „Jetzt ist Sense“, eine Serie, in der der Tod persönlich an Depressionen leidet, weil er gar so unbeliebt ist. Deshalb sucht er menschlichen Kontakt bei Schlüsseldienst-Mitarbeiter Andi, der diese Freundschaft nicht wirklich zu schätzen weiß. Neu ist dieses Klamauk-Konzept auch nicht. Es erinnert verdächtig an einen Mix der US-Serien „Wilfred“ und „Dead like me“. Der Humor ist statt rabenschwarz höchstens dunkelgrau, doch das größte Problem hat „Jetzt ist Sense“ ebenfalls durch seine Besetzung. Wenn jemand einen depressiven und dennoch symphathischen Tod spielen kann, ist das zwar unter Garantie Antoine Monot Junior. Auch Alexander Schubert glänzt in seiner Rolle als Andi. Gegen „Blockbustaz“-Namen wie Eko Fresh kommen sie aber kaum an. Die Frage, ob das nicht zu Voting-Verzerrungen führt, wird von TV-Lab-Chef Pipic trotzdem verneint: „Wir behandeln alle Piloten gleich. Letztlich entscheidet der Zuschauer, was er sehen will“. Dass manche Namen einfach mehr Strahlkraft als andere haben, gilt im Sender nicht als Problem.

Strahlkraft hätte auch Elektro-Opa Friedrich Liechtenstein, der mit seinem „supergeilen“ Supermarkt-Rundgang berühmt wurde. Er braucht in der konfus gefilmten „Alibi Agentur“ eine gute Ausrede, was man ihm leider nicht abkauft. Patin dieses Piloten ist Ex-„GZSZ“-Star Sila Sahin, die ebenfalls nicht viele Fans mobilisieren konnte. Beim Voting lag die „Alibi Agentur“ schnell weit hinter den Konkurrenten. Ganz egal, welches Format am Ende gewinnt: Zur Weiterentwicklung der Siegerserie sollen auch Zuschauer- und Userkommentare berücksichtigt werden, die zu ihr abgegeben wurden. Bei „Blockbustaz“ dürfte das in einigen Fällen besonders spannend werden. Zum Beispiel, wenn ZDFneo „Jo, wahrscheeeeeeeinlich geil oder! Eko ist King!“ analysiert.

TV-Lab, Donnerstag ab 21 Uhr 45, ZDFneo

Online: www.tvlab.zdfneo.de

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