"Zeit" gegen ZDF : Journalisten gehen gegen Kabarett-Sendung vor

Die "Zeit"-Journalisten Jochen Bittner und Josef Joffe haben einstweilige Verfügungen gegen die ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" erwirkt. Bei dem Streit geht es um einen Beitrag zur Ukraine-Berichterstattung.

Die Kabarettisten Claus von Wagner (l) und Max Uthoff.
Die Kabarettisten Claus von Wagner (l.) und Max Uthoff.Foto: dpa

Zwei Journalisten der „Zeit“, Mitherausgeber Josef Joffe und Politik-Redakteur Jochen Bittner, gehen gerichtlich gegen die ZDF-Kabarettsendung „Die Anstalt“ vor. Gegen Teile der Satireshow vom
29. April zum Konflikt in der Ukraine seien beim Landgericht Hamburg einstweilige Verfügungen erwirkt worden, teilte der Sender am Dienstag mit. Laut Medienberichten hat das ZDF Widerspruch gegen die einstweiligen Verfügungen erhoben und werde sich auch gegen die Hauptsachklage verteidigen. Der Sender sei jedoch gerichtlich verpflichtet worden, die beanstandeten Beiträge bis zu einer endgültigen Entscheidung aus der Mediathek zu entfernen. Wie das Hamburger Landgericht nach epd-Angaben mitteilte, wurde in dem Streit für den 19. September eine mündliche Verhandlung anberaumt.

In der April-Ausgabe der „Anstalt“ hatten die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner scharfe Kritik an der einseitigen Ukraine-Berichterstattung führender deutscher Medien geäußert. In diesem Zusammenhang wurden einer Reihe einflussreicher Journalisten allzu enge Verbindungen zu transatlantischen Lobby-Organisationen wie dem „German Marshall Fund of the United States“ oder dem Verein „Atlantik-Brücke“ vorgeworfen.

Genannt wurden neben Bittner und Joffe unter anderem Stefan Kornelius, Ressortleiter Außenpolitik bei der "Süddeutschen Zeitung", der "FAZ2-Herausgeber Günther Nonnenmacher und der "FAZ"-Journalist Klaus-Dieter Frankenberger oder eben der Zeit-Herausgeber Josef Joffe.

Der aus der Mediathek gelöschte, von den beiden „Zeit“-Journalisten beanstandete Beitrag lässt sich bislang über das Internetportal „Youtube“ weiterhin aufrufen. Der „Zeit“-Redakteur Bittner rechtfertigte auf epd-Anfrage sein Vorgehen: „Ja, die 'Zeit' hat eine Unterlassungsklage gegen das ZDF angestrengt, mit dem Ziel, die weitere Verbreitung von falschen Tatsachenbehauptungen zu stoppen, die geeignet sind, meinen Ruf als Journalist zu schädigen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Anders als in der ZDF-Show unterstellt, sei er weder Mitglied diverser transatlantischer Organisationen noch Redenschreiber von Bundespräsident Joachim Gauck.

Im Jahr 2013 habe er tatsächlich an einer 50-köpfigen „Diskussionsgruppe“ teilgenommen, die ein Thesenpapier zur künftigen deutschen Sicherheitsstrategie erarbeiten sollte. „Die Teilnahme an Konferenzen von Organisationen aller Art und Richtung gehört meiner Ansicht nach zum Alltag von Journalisten“, erklärte Bittner. Joffe wirft dem ZDF nach Angaben eines Hamburger Gerichtssprechers vor, er sei fälschlicherweise mit acht transatlantischen Organisationen in Verbindung gebracht worden. Tatsächlich sei er in weniger Netzwerken engagiert. Tsp

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