Zeitgeschichte : WDR widmet dem Computer eine Nacht

Archivschätze aus fast sechs Jahrzehnten erzählen von Menschen und Schaltkreisen: Der WDR präsentiert eine Nacht lang die Geschichte des Computers.

Thomas Gehringer
Teilnehmer sitzen an ihren Computern Festival "Revision" im E-Werk in Saarbrücken. Früher füllten statt Technikbegeisterten die Computer selbst ganze Räume.
Teilnehmer sitzen an ihren Computern Festival "Revision" im E-Werk in Saarbrücken. Früher füllten statt Technikbegeisterten die...Foto: dpa

Rudolf Rohlinger und der neue Helfer im ARD-Wahlstudio fremdeln noch etwas. Es ist der 19. September 1965, und erstmals spuckt ein Computer schon am Abend der Bundestagswahl Hochrechnungen aus. Moderator Rohlinger wirkt trotz dieser Revolution nicht sehr euphorisch, aber mit der Zeit wird die Stimmung lockerer. Das dauert allerdings: Als das mit Lochkarten gefütterte Computer-Ungetüm die Hochrechnung nach der Auszählung von zwölf der 248 Wahlkreise ausgibt, sitzt Rohlinger bereits mit geöffnetem Kragenknopf, gelockerter Krawatte, ohne Jackett, aber mit brennender Zigarette in der Hand vor der Kamera.

Mit Archivschätzen aus nahezu sechs Jahrzehnten wartet die vierstündige „Computer-Nacht“ des WDR auf. Das Staunen über die rasante Entwicklung der Technologie von Monsterschränken mit Mini-Kapazität hin zu Mini-Geräten mit Monsterspeichern ist das eine – die Zeitreise beginnt natürlich bei Z wie Z3, dem ersten Rechner überhaupt. Erbauer Konrad Zuse hat mit einem Interview aus dem Jahr 1995 das erste Wort. Doch in der Rückschau geht es vor allem um Alltags- und Zeitgeschichte, um „das Verhältnis zwischen Mensch und Computer“, sagt Mike Schaefer, einer der beiden Autoren. Überraschend viel Material hätten er und sein Kollege Vincenzo Tino bereits in den 1950er und 1960er Jahren gefunden, mehr als die Hälfte der „Computer-Nacht“ stamme aus dieser Zeit.

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