Zeitreise-Show : Johannes B. Kerner kehrt ins ZDF zurück

Johannes B. Kerner wird die Rückkehr zum Zweiten nicht leicht gemacht. Mit seiner „Zeitreise-Show“ tritt er gegen harte Konkurrenz an. In der ARD sucht Matthias Opdenhövel neue Helden, Nena castet auf ProSieben Gesangstalente.

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Johannes B. Kerner kehrt mit einer "Zeitreise-Show" ins ZDF zurück.
Köpfchen ist gefragt, bei der "Zeitreise-Show" mit Johannes B. Kerner im ZDF.Foto: ZDF

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Johannes B. Kerner die Allzweckwaffe des Zweiten Deutschen Fernsehens. Wochentags machte er eine Talkshow, am Freitag kochte er und wenn es Fußball gab oder eine große Gala, stand er vorm Mikrofon. Als das alles den Moderator offensichtlich nicht mehr reizte, wechselte er 2009 zu Sat 1 – und scheiterte. Seine Magazin-Sendung wurde Ende 2011 wegen schlechter Quote eingestellt, zwischen ihm und dem Privatsender passte es nicht. Jetzt ist Kerner zurück im ZDF, er muss sich neu bewähren – und gibt sich bescheiden.

Von Demut will der 48-Jährige zwar nicht sprechen, aber doch ist ihm anzumerken, wie flach er den Ball halten will, als er jetzt in Berlin seine neue Sendung vorstellte. Er habe für seine Kinder zuletzt „Nutella-Brote geschmiert“, das sei „auch nicht schlecht“ gewesen, aber „es ist ein gutes Gefühl, wieder hier zu sein“, sagte Kerner im Studio in Adlershof und ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs nickte ihm aufmunternd zu. „Die große Zeitreise-Show“ heißt die Sendung, mit der Kerner am Donnerstag zum ersten Mal wieder im ZDF zu sehen sein wird, es ist eine Mischung aus Unterhaltungs- und Wissensshow und damit ein maßgeschneidertes Format für einen wie Kerner, der sich als Journalist und Moderator versteht.

In der Sendung treten Familien gegen Prominente an, zum Auftakt sind Schauspieler Hannes Jaenicke und seine Kollegin Barbara Wussow, Ex-Sportler Christian Neureuther und Model Barbara Meier zu Gast. „Gereist“ wird durch verschiedene Epochen, zu denen die Kandidaten Fragen beantworten müssen. Die Gewinner bekommen ein Preisgeld von 50 000 Euro, was die Familien behalten dürfen und die Prominenten spenden. Damit das alles nicht zu langweilig wird, soll das Wissen nicht nur abgefragt werden, sondern die reale Welt mit einer virtuellen, historischen Welt verschwimmen. Ein „visualisiertes 3-D-Tracking-System“ mache das möglich, schwärmte Unterhaltungschef Fuchs und führte in Adlershof auf einem Laptop-Bildschirm einen kurzen Ausschnitt vor. Es blitzte und zischte ordentlich, aber Kerner saß danach trotzdem nicht in einer Ritterrüstung da, sondern immer noch im Anzug an einem Moderatorenpult, das aussieht wie aus „Raumschiff Enterprise“.

Kerner tritt im Fernduell gegen Opdenhövel und Nena an.

„Beam me up“, könnte Kerner den Zuschauern mit Blick auf die gewünschte Quote auch zurufen. Angesichts der Konkurrenz auf den anderen Kanälen wird ihm sein Comeback nicht gerade leicht gemacht. Matthias Opdenhövel präsentiert in der ARD „Die Show der unglaublichen Helden“, eine unglückliche Gegenprogrammierung, die von den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern künftig wohl vermieden werden soll. Auf Prosieben startet eine neue Staffel der erfolgreichen Musikcastingshow „The Voice of Germany“ mit Sängerin Nena als Jurorin.

Das sei eine Situation, die „nicht optimal ist“, sagte Kerner: „Aber man kann ja auch nicht erwarten, dass die anderen Schwarzbild senden.“ Eine Kampfansage hört sich anders an – Kerner mag offensichtlich nicht auf dicke Hose machen.

Eine bestimmte Quote müsse Kerner nicht erreichen, sagte Fuchs. Aber auch von seinem Erfolg am Donnerstag wird abhängen, wie es für den Moderator im Zweiten weitergeht. Er hat keinen Rahmenvertrag, sondern arbeitet projektbezogen. Insgesamt fünf Mal ist er im ZDF bis Ende des Jahres zu sehen: Mit einer weiteren Folge der „Zeitreise-Show“, mit zwei Ausgaben der „Quiz-Champions“ und dann moderiert er noch die Gala „Ein Herz für Kinder“. Über weitere Sendungen seien sie im Gespräch, versichern Kerner und Fuchs. Sport gehöre allerdings nicht dazu, auch wenn er eine große Leidenschaft dafür habe, sagte Kerner. Er ist selbst Marathonläufer, und Ausdauer dürfte auch bei seinem Neustart im ZDF nicht schaden.

Aber vielleicht geht es ja plötzlich doch alles ganz schnell, wenn Markus Lanz so weitermacht und wieder ein neuer Moderator für „Wetten, dass..?“ gesucht werden muss? „Diese Sendung hat bereits einen Moderator“, blockte Kerner das Thema ab. Und um zu beweisen, wie ernst es ihm mit der Zurückhaltung ist, erzählte er dann noch einmal, dass er tatsächlich „nervös“ gewesen sei bei der ersten Aufzeichnung der „Zeitreise-Show“. „Und dass ich dann am Ende wieder zu Marietta Slomka mit dem ,heute journal‘ übergeben darf. Das hat mich wirklich gefreut.“ Es wirkt, als ob Kerner wieder zu Hause angekommen ist nach seiner Senderreise.

„Die große Zeitreise-Show“, ZDF, Donnerstag, 20 Uhr 15

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