Zeitung : Notizen aus der Provinz

Der Bonner „General-Anzeiger“ schließt Berliner Büro. Wie das Loch, das diese Auflösung in die Politikseiten des „GA“ reißen wird, aufgefüllt werden soll, ist noch nicht bekannt.

Das Parlamentsbüro des „General-Anzeigers“ („GA“) aus Bonn steht vor dem Aus. Nach Informationen des Branchendienstes Kress wird das Berliner Büro der früheren Hauptstadtzeitung zum 31. Dezember 2013 geschlossen. Den drei betroffenen Korrespondenten sind Aufhebungsverträge vorgelegt worden. Bereits im März waren die drei Korrespondenten und die Redaktionsassistenz über eine mögliche Auflösung ihres Büros informiert worden. Mitte September sollen Chefredakteur Andreas Tyrock und J. Friedrich Orths, einer von zwei Geschäftsführern der Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, das endgültige Aus für die Berliner Dependance verkündet haben.

Wie aus dem Umfeld des Verlags zu hören ist, spart Verleger und Herausgeber Hermann Neusser durch diese Maßnahme rund 400 000 Euro pro Jahr. Dafür verzichtet er jedoch auch auf jährlich zwischen 700 und 800 exklusiv für seine Regionalzeitung (Auflage: 74 724 Exemplare) produzierte bundespolitische Berichte. Ein Pfund, mit dem der „GA“ bei seinen Lesern seit 13 Jahren wuchern kann. Sechs Bundesministerien und mehr als tausend Regierungsmitarbeiter sind in und um Bonn herum beheimatet. Das Interesse an Nachrichten aus der Hauptstadt dürfte entsprechend groß sein.

„Ausgerechnet der Bonner General-Anzeiger meldet sich mit der eigenen Stimme aus der Hauptstadt ab“, schreibt Alfons Pieper, früher stellvertretender „WAZ“-Chefredakteur, auf seinem Blog. Wie das Loch, das die Auflösung des Parlamentsbüros in die Politikseiten des „GA“ reißen wird, aufgefüllt werden soll, ist noch nicht bekannt. Denkbar und zwingend ist ein adäquater Ersatz. Nur wie, mit Agenturmaterial? „Es gibt keinen Kommentar zu unserer Marschrichtung“, sagte Chefredakteur Andreas Tyrock dem Tagesspiegel. Dafür hat sich Verleger Neusser anlässlich der Verleihung des Deutschen Lokaljournalistenpreises durch die Konrad-Adenauer-Stiftung am 1. Oktober zur Ausrichtung seines Blattes geäußert: „Wir verbinden die Menschen, die Generationen, wir schaffen ein Wir-Gefühl in Bonn und der Region.“ Wohl nicht mehr in Berlin. meh

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben