• Zu kritisch zum 1. FC Union?: Fußballreporter Matthias Wolf verlässt "Berliner Zeitung" im Streit

Zu kritisch zum 1. FC Union? : Fußballreporter Matthias Wolf verlässt "Berliner Zeitung" im Streit

Matthias Wolf verlässt die „Berliner Zeitung“. Streitpunkt waren seine Berichte über den 1. FC Union und die Vergangenheit des Präsidenten Dirk Zingler.

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Matthias Wolf, langjähriger Berichterstatter über den 1. FC Union, schreibt nicht mehr für die "Berliner Zeitung".
Matthias Wolf, langjähriger Berichterstatter über den 1. FC Union, schreibt nicht mehr für die "Berliner Zeitung".Foto: Doris Spiekermann-Klaas

15 Jahre hatte Matthias Wolf für die „Berliner Zeitung“ über das Wohl und Wehe des Zweitligisten 1. FC Union Berlin geschrieben. Dabei hat der Sportjournalist mit der Vereinsspitze von „Eisern Union“ so manchen Strauß ausgefochten, doch Anfang Februar beendete er die Zusammenarbeit mit dem Blatt, weil er dafür keine gemeinsame Basis mehr sah. Im Juli 2011 hatte Wolf in der „Berliner Zeitung“ unter der Überschrift „Der schwarze Fleck“ berichtet, dass Unions-Vereinspräsident Dirk Zingler anstatt zur Volksarmee zu gehen im Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ gedient hatte. Das Wachregiment unterstand dem Ministerium für Staatssicherheit. Pikant daran war nicht zuletzt, dass die Erzrivalität zwischen den Berlinern und dem Lokalkonkurrenten BFC Dynamo auch damit zu tun hat, dass Dynamo zu DDR-Zeiten von Stasi-Chef Erich Mielke gefördert wurde und sich Union immer als Widerstandsclub verstanden hat.

Uwe Vorkötter, der Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ bestätigte dem Tagesspiegel, dass er Wolf von seinen Aufgaben als Berichterstatter über den 1. FC Union Berlin entbunden habe. „Anlass war aber nicht die Berichterstattung im Juli über die Biografie von Dirk Zingler.“ Wolf habe danach mit Rückendeckung der Chefredaktion weiter über Union geschrieben. „Allerdings hat er in seiner Berichterstattung schwere handwerkliche Fehler gemacht, und zwar mehrfach und über einen langen Zeitraum. Nach mehr als einem halben Jahr haben wir die Konsequenzen gezogen. Es ging einfach nicht anders.“

Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Berliner Zeitung".
Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Berliner Zeitung".Foto: dapd

Allerdings bezog sich diese Entscheidung nur auf die Berichterstattung über den 1. FC Union. Zwischen Chefredaktion und Sportredaktion war vereinbart worden, dass Wolf in einem Dreierteam verstärkt über den Erstligisten Hertha BSC berichten sollte. Dazu kam es dann nicht mehr, weil Wolf die Zusammenarbeit mit der Zeitung beendete.

Wolf betont, er habe nie behauptet, Zingler sei Informeller Mitarbeiter (IM) gewesen oder habe in anderer Form für die Stasi gearbeitet. Gleichwohl hatten der Club und seine Fans keine Möglichkeit ausgelassen, den Journalisten zu schneiden. Bei Pressekonferenzen wurden seine Fragen ignoriert, Fans pöbelten ihn an, Zingler habe vom Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ Wolfs Abberufung gefordert. Gleichwohl blieb Wolf bei Union am Ball, bis er vor einem Monat von der Zeitung mitgeteilt bekam, dass er nicht länger über den Ost-Berliner Fußballclub schreiben soll. „Ich bin nicht empört, sondern ich staune nur, dass es einem kleinem Zweitliga-Verein wie dem 1. FC Union gelingt, eine große Zeitung in die Knie zu zwingen“, sagte Wolf.

Zu den journalistischen Handwerksfehlern zählt Vorkötter die nicht näher benannten Umstände eines Telefongesprächs von Wolf mit dem FC-Union-Aufsichtsratschef, in dem Antonio Hurtado dem Journalisten gesagt haben soll, er sei ahnungslos über die Zeit von Zingler beim Wachregiment gewesen. Den endgültigen Ausschlag habe ein Artikel kurz vor dem Start der Rückrunde gegeben, in dem es bei zwei Tatsachenbehauptungen erneut zu Unterlassungsansprüchen und Gegendarstellungsersuchen gekommen sei. „Wir haben das von uns aus korrigiert.“ Konkret ging es darum, wer das Trainingslager der Eisernen bezahlt hatte und wo die Höhe der Spielergehälter bei Union lagen. „Ich kann nicht sagen, warum er sich da so verbissen hat“, sagt Vorkötter, aber „ich muss in einer kritischen und sensiblen Berichterstattung erwarten können, dass der Autor seine Fakten einigermaßen klar sortiert hat.“ Das lässt Wolf so nicht stehen. 15 Jahre habe es von Union und auch ansonsten keine Gegendarstellungen gegeben, bis der Verein nach der Zingler-Geschichte begonnen habe, gezielt zu suchen. Mit Union hat Wolf nun abgeschlossen, über Fußball will er hingegen weiter schreiben.

Vorkötter verwehrt sich nachdrücklich dagegen, bei dem Interview seiner Zeitung mit Unions-Präsident Dirk Zingler im Herbst habe es sich um ein Gefälligkeitsinterview gehandelt. „Ursprünglich ging es gar nicht um ein Interview, sondern allein um die exklusive Nachricht vom Stadionverkauf an die Fans. Nicht Union hat uns dazu das Interview angeboten, das war unser Wunsch. Es war genauso unsere Entscheidung, auf Seite eins damit aufzumachen.“

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