Zu meinem ÄRGER : Die Mär vom „Staatsfunk“

Mara Bergmann hat sowohl für öffentlich-rechtliche als auch private TV-Sender gearbeitet. Mit dem Kampfbegriff "Staatsfunk" kann sie nichts anfangen. Für den Tagesspiegel ordnet die n-tv-Moderatorin die Medienwoche ein.

Mara Bergmann gehört zum Moderatorenteam der n-tv-Nachrichten.
Mara Bergmann gehört zum Moderatorenteam der n-tv-Nachrichten.Foto: Michael Schäfer / MG RTL

Frau Bergmann, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Mich ärgert die Bezeichnung von ARD und ZDF als „Staatsfunk“. Ich selbst bin Verfechterin des Dualen Systems und der Medienvielfalt, die wir in Deutschland haben, und habe sowohl im öffentlich-rechtlichen als auch im privaten Rundfunk bislang immer Pressefreiheit erfahren. Bevor ich zu n-tv kam, habe ich mehr als elf Jahre lang als Redakteurin, Reporterin und Moderatorin für ARD und ZDF-Programme gearbeitet und habe nie Druck seitens der Politik erlebt. Themenauswahl und die Herangehensweise in unseren Beiträgen haben wir in den Redaktionen intensiv diskutiert – und dabei waren immer die journalistischen Kriterien entscheidend – nicht etwa Einfluss von außen. Und so soll es auch bleiben!

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Ein sehr emotionaler TV-Moment war der Auftritt der Holocaust-Überlebenden Hanni Lévy bei „stern TV“. Als sie 17 Jahre alt war, waren ihre Eltern bereits tot. Um zu überleben, färbte Hanni Lévi ihre Haare blond und tauchte bei einer mutigen Berlinerin unter. Heute lebt die 93-Jährige in Paris. Ihre bewegende Geschichte geht unter die Haut und ist sogar verfilmt worden: „Die Unsichtbaren“ läuft aktuell in den deutschen Kinos. Ich finde es enorm wichtig, dass historische Themen immer wieder auf unsere journalistische Agenda kommen. Denn auch der Blick zurück auf die Geschichte hilft häufig bei der Einordnung in Zeiten von Populismus und Fake News.

Welche Internetseite können Sie empfehlen?

www.startupteens.de. Eine Online-Plattform, die kreative Teenager motiviert, ihre eigenen Ideen früh umzusetzen – und ihr eigenes Start-up zu gründen. In unserem Bildungssystem bekommen Jugendliche meiner Meinung nach immer noch zu wenig Anreize und Informationen zum Thema Berufswahl. Die Non-Profit Initiative „Start-up Teens“ bietet jungen Gründern ein Netzwerk mit Verbindungen zu Hochschulen, Gründerzentren und Unternehmen.

Mara Bergmann

gehört zum Moderatoren-Team der n-tv Nachrichten. Seit 2012 sitzt sie zudem in der Jury der

Internationalen

Emmy Awards.

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