Zu meinem ÄRGER : „hier und heute“ ist nicht von gestern

Warum stellt der WDR eine Reportagesendung ein, die auch nach 58 Jahren den Auftrag an einen Regionalsender erfüllt, fragt sich Phoenix-Programmchefin Michaela Kolster mit Blick auf die Medienwoche.

Michaela Kolster ist Programmgeschäftsführerin des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix.
Michaela Kolster ist Programmgeschäftsführerin des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix.Foto: PHOENIX/Thomas Kierok

Frau Kolster, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Dass die WDR-Reportagereihe „hier und heute“ nach 58 Jahren eingestellt werden soll, hat mich geradezu empört. Damit ginge für mich ein Stück Heimat und Kulturgeschichte in NRW verloren. Die kleinen Reportagen spiegeln wunderbar die Region und das Leben in Nordrhein-Westfalen wider. Gerade die Regionalsender sollten doch auf ihre Stärken setzen: die lokale und regionale Berichterstattung.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

In einem Doppelinterview unseres Senders während der G7-Berichterstattung gab es ein wunderbares Streitgespräch zwischen einem Attac-Aktivisten und einem hoch angesehenen Wirtschaftsprofessor über die europäische Finanzpolitik: äußerst lebhaft, höchst kontrovers, aber auf beiden Seiten sehr kompetent. Und ein wunderbares Beispiel dafür, dass man wegen Kritik an politischen Machthabern nicht gleich mit drastischen Konsequenzen rechnen muss – wie das etwa der russische Kollege nach seinen Putin-kritischen Äußerungen an gleicher Stelle kurze Zeit später am eigenen Leib erfahren musste.

Welche Website können Sie empfehlen?

Keine Internetseite, sondern die „Periscope“-App, mit der man auch als Privatmann quasi Livereporter sein kann. Wer schon immer mal sein eigener „Fernsehdirektor“ sein wollte, ist hier gut aufgehoben.

Michaela Kolster ist Programmgeschäftsführerin des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix.

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