Zu meinem ÄRGER : Kaum jemand spricht über Ceta!

Der mediale Aufschrei darüber könnte etwas größer sein: Die Medienwoche im Blick von Schauspielerin Marijam Agischewa.

Marijam Agischewa
Marijam AgischewaFoto: ARD/André Kowalski

Frau Agischewa, worüber haben Sie sich in den Medien in dieser Woche denn am meisten geärgert?

Mich ärgert, dass aus der oberen Brüsseler Chefetage vor lauter Europa-Wald Bäume häufig nicht gesehen werden, und offenbar nicht ohne Absicht. Über den Brexit wird in Brüssel und in den Medien zwar großflächig lamentiert, aber es wird gleichzeitig von einer ebenso grundlegenden Angelegenheit eher abgelenkt als sie zu erhellen. Mit Großbritannien scheidet der stärkste Befürworter von TTIP aus, dem von weiten Teilen der europäischen Bevölkerung abgelehnten Handelsabkommen mit den USA. Um so eiliger möchte Brüssel nun mit Ceta als einer Art „Generalprobe“ das Abkommen mit Kanada durchmogeln, vorbei an Mitgliedsstaaten und Parlamenten. Der mediale Aufschrei darüber könnte etwas größer sein.

Gab es auch etwas in den Medien, worüber Sie sich gefreut haben?
Es bedurfte der Fußball-EM, um das kleine Island in’s Scheinwerferlicht zu stellen. Nun wissen wir alles über die leidenschaftlichen Fußball-Wikinger und ihre Vulkanheimat. Auch, dass etwa acht Prozent der einheimischen Bevölkerung nach Frankreich gereist sind, um ihre Mannschaft anzufeuern. Kein Problem, dann wird für die Wahl des neuen Präsidenten eben mal schnell ein Wahlbüro in Paris eingerichtet. Sympathisch!

Ihre Lieblings-Internetseite?
40 Cent kostet den Spender ein Click auf die Berliner App „Share TheMeal“ und ermöglicht dadurch ein mangelernährtes Kind einen Tag lang zu versorgen. Rund 5,4 Millionen Mahlzeiten wurden so bis Ende April verteilt. Sollten wir im Netz auf der Seite stilinberlin.de „Food“ anklicken und nutzen, können wir doch sicher 40 Cent entbehren.

Marijam Agischewa, Schauspielerin („In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“, donnerstags um 18 Uhr 50 im Ersten)

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