ZU MEINEM ÄRGER : "Produzenten und Zuschauer zahlen die Zeche"

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor will Filme länger als eine Woche in der Mediathek. Das will der TV-Produzent Marc Conrad auch, allerdings sollen die Sender das den Produzenten vergüten.

Herr Conrad, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?
Eine Bemerkung von Lutz Marmor, ARD-Vorsitzender und Intendant des NDR, in einem Interview mit dem Mediendienst medienpolitik.de, hat einen grundsätzlichen Ärger aller Produzenten wieder aufflammen lassen. Darin sagt er, dass es richtig sei, Filme länger als eine Woche nach Ausstrahlung in den Mediatheken von ARD und ZDF zu zeigen. Das Ärgerliche ist nicht der Wunsch, dies zu ändern, sondern dass die Sender dafür keine angemessene Vergütung zahlen wollen. Für uns Produzenten geht es bei dieser Frage ja in erster Linie darum, wie wir das Geld verdienen, mit dem wir die Entwicklung neuer Filme finanzieren. Nicht jedes Drehbuch wird verfilmt, muss aber bezahlt werden und das tun nicht die Sender, sondern wir Produzenten. Gleichzeitig aber sollen wir immer mehr Rechte ohne entsprechende Honorierung abgeben. Das heißt, dass Produzenten und Zuschauer die Zeche zahlen sollen, während die Sender ihr Programm ausbauen.
Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?
Selbstverständlich. Björn Böhning, der Chef der Berliner Senatskanzlei, weiß wie wichtig Film und Fernsehen als Teil der deutschen Wirtschaft sind, und er unterstützt sie, wo er kann. Beim Treffen der Deutschen Produzentenallianz sagte er: „Wenn wir unsere Zukunft als Industriestandort sichern wollen, brauchen wir auch eine Industriepolitik für die Filmwirtschaft.“ Ein Satz, der zumindest von der Fachpresse wiedergegeben wurde und so den Weg in die richtigen Ohren finden wird. Ich hoffe nur, dass er dann auch die richtigen Maßnahmen auslöst.
Welche Homepage können Sie denn empfehlen?

Wenn ich mich über die internationale Film- und Fernsehindustrie informieren will, gehe ich zu deadline.com. Die Adresse ist in meinem rss-Feed gespeichert, denn es kommt schon mal vor, dass ich mehrmals am Tag nachsehe, was dort vermeldet wird. Gerade was sich in den USA tut, ist eine meiner vielen Inspirationsquellen, für Kino- und Fernsehfilm, aber auch Serien, mit deren Entwicklung ich dann Kreative beauftrage.

Marc Conrad, ehemaliger Geschäftsführer von RTL, leitet heute die Fernsehproduktionsgesellschaft Conrad Film

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