Zu PAPIER gebracht : Ich und Ich

Falk Steiner
Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Anonyme Schmierfinken, pseudonyme Lästerer im Internet – das alles sollte verboten werden, lassen uns manche Politiker wissen. Mit unseren Namen stehen wir für etwas, wird uns eingetrichtert, unser Name, das ist unser Erkennungszeichen – insbesondere im Internetzeitalter, wo unsere Spuren über Jahrzehnte verfolgbar bleiben.

Nehmen Sie das alles nicht so ernst! Ich habe für Sie den Selbstversuch gemacht: Ich habe einfach meinen Namen gegen einen anderen eingetauscht. Für viele Menschen, die mich vorher zu kennen glaubten, bin ich seit Ende des vergangenen Jahres mit einem Pseudonym unterwegs – im Netz und offline. Das hab ich äußerst gern gemacht, denn der Anlass war ein hervorragender, den Sie sich denken können.

Nun zu den praktischen Seiten eines solchen Identitätswechsels im Netzzeitalter. Sollte ich die alte E-Mail-Adresse einfach weiterbenutzen? Das führt zu Verwirrung. Eine neue zulegen? Sicherlich die bessere Wahl, aber wie viele erreichen mich dann nicht mehr? Man hat ja einen ganzen Stapel Identitäten im Netz, Benutzernamen zum Beispiel. Früher hieß ich überall „flueke“, für Falk Lüke. Und weil der Nachname selten war, habe ich diesen Kontonamen oft verwendet. F. Steiner gibt es häufiger als F. Lüke. Frank, Fritz, Friedrich, Fridolin und Falk – wir alle können uns ab nun um diese Kurzform prügeln.

Die absurdeste Erfahrung verdanke ich einer österreichischen Internetadresse, die ich vor Jahren einmal registriert hatte. Dort musste Falk Lüke dafür unterschreiben, dass er Falk Steiner die entsprechende Domain überträgt – also ich (alt) an ich (neu). Ein Namenswechsel bietet allerdings auch eine große Chance: Man kann prüfen, was man im Netz wirklich noch braucht. Bei mir fiel dabei Facebook durch.

Das einzige wirkliche Ärgernis ist, dass es bereits einen anderen Menschen mit meinem neuen Namen gibt, dessen Vorlieben nicht meine sind: Escortservices und Formel 1. Aber ich werde ihn in der Google-Suche schon unterbuttern. So wie ich mich vorsorglich schon bei den drei Namensvettern meines alten Namens entschuldigt hatte: Auch ihnen glaubt sicherlich niemand, dass sie nicht ich sind. Der Name ist eben doch nur die formale Bezeichnung für eine Person.

Trotzdem, nach drei Monaten kann ich sagen: Am umständlichsten ist alles, was mit Behörden und Verwaltungen zu tun hat. Da würde man sich oft wünschen, dass es so einfach wie bei den meisten Internetdiensten ginge: Da darf ich ich sein, egal wie ich heiße. Man will nicht meinen Namen, man will nur meine Daten, und der Rest ist egal. Im Netz haben sich die Leute langsam an meine neue Identität gewöhnt. Nur die Werbung per Briefpost, die kommt oft noch an den alten Namen – die alte Identität.

Unser Autor ist freier Journalist und Mitgründer der Digitalen Gesellschaft. Wir gratulieren herzlich zur Hochzeit!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben