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Zukunft Öffentlich Rechtlicher Rundfunk : Sachsen-Anhalt will ARD ohne "Tagesschau"

Das ZDF als nationaler Sender, die ARD als Schaufenster der Regionen, so stellt man sich in Magdeburg die Zukunft vor. Aus Berlin und von der ARD gibt es Widerspruch.

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Die "Tagesschau" - hier im Bild mit Chefsprecher Jan Hofer - ist die Nachrichtensendung mit der höchsten Zuschauerzahl. Nach Meinung von Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra sollte es künftig nur noch einen nationalen Sender geben: das ZDF.
Die "Tagesschau" - hier im Bild mit Chefsprecher Jan Hofer - ist die Nachrichtensendung mit der höchsten Zuschauerzahl. Nach...Foto: Thorsten Jander/NDR

Sachsen-Anhalt drängt auf einen radikalen Umbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der für Medien zuständige Landesminister, Staatskanzleichef Rainer Robra (CDU), will das „Erste“ in seiner jetzigen Form abschaffen. Als nationaler Sender reiche das ZDF aus, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ in der Dienstagsausgabe. „Das Erste wäre dann mittelfristig kein nationaler Sender mehr, sondern das Schaufenster der Regionen. Es soll das Beste aus Mitteldeutschland zeigen, aus dem Norden, aus allen Ländern“, sagte Robra der Zeitung. Auch die "Tagesschau" wäre dann „in dieser Form überflüssig“. Auch beim Zuschauer? Die 20-Uhr-Hauptausgabe ist unverändert das Maß aller TV-Nachrichten. Am vergangenen (Wahl-)Sonntag erreichte die "Tageschau" im Ersten, den Dritten, auf 3sat, Phoenix und tagesschau24 insgesamt 12,75 Millionen Zuschauer. Das MDR-Fernsehen, zu dessen Sendegebiet auch Sachsen-Anhalt gehört, ist das einzige ARD-Dritte ohne „Tagesschau“.

Am Dienstagnachmittag meldete sich auch Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks und ARD-Vorsitzende, zu Wort. "Die Tagesschau als erfolgreichste und unabhängige deutsche Nachrichtensendung sowie Das Erste insgesamt sind ein Garant für den aus den Regionen gespeisten freien bundesweiten Diskurs in unserem föderalen Land." Aufgrund ihrer multimedialen und föderalen Struktur sei die ARD in besonderem Maße in der Lage, "die Menschen in ganz Deutschland über alle sozialen und kulturellen Unterschiede hinweg zu verbinden und so einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs auf einer gemeinsamen Basis herzustellen". Dazu gehöre auch, dass die ARD immer wieder dafür sorgen müsse, allen Regionen auch auf nationaler Ebene eine publizistische Stimme zu geben.

ARD-Programmdirektor Volker Herres bezeichnete Robras Ideen als „abstrus“ und warf ihm vor, als Mitglied des ZDF-Fernsehrates Partei für den Sender zu ergreifen. „Wenn er die ZDF-Brille abnehmen würde, müsste er leicht erkennen, dass es wenig Sinn hat, dem Fernsehpublikum die beliebteste Nachrichtensendung zu nehmen und das vertrauenswürdigste Programm vorzuenthalten“, erklärte Herres.

Berliner Senatskanzleichef gegen radikalen Abbau der Öffentlich-Rechtlichen

„Die Pläne zur Abschaffung der ARD, die nach den Äußerungen Robras in der Magdeburger Staatskanzlei ventiliert werden, sind im Kreis der Länder sicherlich nicht mehrheitsfähig“, sagte am Dienstag der für Medien zuständige Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin, Staatssekretär Björn Böhning (SPD). Derzeit wird zwischen den Ministerpräsidenten der Länder sowie ARD, ZDF und Deutschlandradio über die künftige Struktur und den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert. Die Sender haben ihre Vorstellungen insbesondere für weitere Einsparmöglichkeiten vorgestellt, die jedoch von einigen Bundesländern als nicht ausreichend erachtet werden.

Die ARD-Vorsitzende Wille sagte dazu, "aus der 1950 gegründeten Arbeitsgemeinschaft soll ein inhaltlich crossmedialer, strukturell integrierter föderaler Medienverbund werden, der auch zu Kostenersparnissen führt. Es geht darum, den Beitrag der Öffentlich-Rechtlichen für den demokratischen Zusammenhalt für die Zukunft zu sichern. Dafür werbe ich."

Und Unterstützer hat Wille auch. "Das Land Berlin stellt sich vehement gegen das Vorhaben eines radikalen Abbaus des öffentlich-rechtlichen Mediensystems der Bundesrepublik. Insbesondere die Überlegung, dass die für viele Bürgerinnen und Bürger unseres Landes nach wie vor zentral wichtige Nachrichtensendung ,Tagesschau‘ überflüssig sei, sind abzulehnen. Damit würde der wichtige Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen Medien extrem geschwächt“, sagte Senatskanzleichef Böhning. Robras Ideen würden ihn an die Vorstellungen eines ‚Zentralen Deutschen Fernsehens' aus der Adenauer-Ära erinnern. „Das Anliegen einer stärkeren Akzentuierung regionaler Inhalte ist dagegen selbstverständlich ernsthaft zu diskutieren."

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