Zum 50. Geburtstag im ZDF : Fünf Ratschläge ans "Sportstudio"

Eine Institution hat Geburtstag: Seit 50 Jahren läuft das "Aktuelle Sportstudio" nun schon im ZDF. Und es ist in dieser Zeit nicht nur älter, sondern auch schlechter und bedeutungsloser geworden. Fünf Tipps, wie das Sportstudio auch die nächsten 50 Jahre übersteht.

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Harry Valérien,Wim Thoelke,Rainer Günzler im "Sportstudio".
Harry Valérien,Wim Thoelke,Rainer Günzler im "Sportstudio".Foto: ZDF

Vergangenen Samstag, später Abend, das „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF. Das Thema Doping in der BRD hat die Runde gemacht. Moderator Sven Voss legt sich ins Zeug. Er interviewt den Sporthistoriker Giselher Spitzer zu Hintergründen der brandneuen Studie „Doping in Deutschland“. Voss hakt nach, will Namen von Sportlern wissen. Warum wurde diese Studie denn sonst überhaupt gemacht? Man möchte das schon fast als Sternstunde des Sportjournalismus im „Aktuellen Sportstudio“ bezeichnen, das an diesem Samstag sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Mit allem, was da Lust-und-Laune-mäßig dazugehört, versteht sich. Vertraute Eröffnungsmelodie von Max Greger, Studiouhr, Beckenbauer, Kürten, Torwand, dazu Mario Götze, Rudi Völler, Regina Halmich. Auch Sven Voss ist dabei, der, trotz lichterer Momente, so ein bisschen für die Malaise des „Sportstudio“ steht, eines der ältesten Formate im deutschen Fernsehen überhaupt. Was gibt es zu feiern? Sinkende Quoten und Bedeutung, weichgespülte Interviews, bei denen die Moderatoren froh sind, dass sich ein Jupp Heynckes, ein Louis van Gaal, ein Jürgen Klopp überhaupt auf dem Mainzer Lerchenberg am Samstagabend die Ehre geben. Oder schlichtweg vergessen, wer da gegenüber sitzt.

Peinlichstes Beispiel: die Ausgabe nach dem Champions-League-Finale Bayern gegen Dortmund am 25. Mai. Da hatte wiederum Sven Voss Ralf Rangnick zu Gast, einen der größten Taktikexperten weltweit. Was kam? Keine einzige Frage zur taktischen Analyse, die angesichts des abgelaufenen grandiosen deutsch-deutschen Finales sehr informativ hätte sein können.

Mehr Sportjournalismus

Investigativ, bissig geht anders. Eine kritische Tonart, wie sie Jochen Bouhs, Harry Valerien, Bernd Heller oder der Kabarettist Werner Schneyder in den 1970ern und 80ern im „Sportstudio“ etablierten. Die Mischung aus Sport, Information, journalistischer Qualität, Unterhaltung und Diskussionsrunde, wie sie die Gründer 1963 vorsahen, ist zu einer Mischung aus Unterhaltung und Fragekartenablesen verkommen. Monothematische Sendungen wie die im Januar 2013 zur Fankultur oder zum Thema Doping sind selten.

Zu hinterfragen wäre dabei auch mal, ob der Bundesligavertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) nicht ein bisschen viel Pflichtberichterstattung und ein bisschen wenig Freiheit in Sachen Sendungsgestaltung zulässt. Gerade wenn ein brandheißes Thema wie Doping in der BRD auf dem Markt ist, das es am vergangenen Samstag um elf im „Sportstudio“ immerhin ganz nach vorne geschafft hat. Da gab es allerdings noch keine Fußball-Bundesliga, sondern „nur“ Berichte zum DFB-Pokal.

Bessere Sendezeit

„Sportstudio“-Zeit war und sollte wieder sein: 22 Uhr. Seit 2010 geht das Magazin ab 23 Uhr auf Sendung, wird live-on-tape aufgezeichnet, während im Zweiten eine Krimi-Wiederholung läuft. ZDF-Chefredakteur Peter Frey verweist auf die „verlässliche Startzeit, die Zuschauerzahlen stabilisiert“. Ein Irrtum, Quotenschielerei. Mehr als zwei, 2,5 Millionen Zuschauer sind’s nicht geworden. Nicht nur Fans der beiden Vereine vom Bundesliga-Topspiel am Samstagabend ärgern sich darüber, was das ZDF mit dem Exklusivrecht macht, dieses eine Spiel als erster Free-TV-Sender zu zeigen.

Zudem die Bundesliga – mit demselben Geburtsdatum wie das „Sportstudio“, 14. August 1963 – Kernelement ist. Nicht jeder kauft sich eine Bundesliga-App bei „Bild plus“. Topspiel allein reicht nicht. Nur um 22 Uhr kann das „Sportstudio“ zu der Marke werden, die es jahrzehntelang war.

Mehr Gastmoderatoren

Kann sich noch jemand an Walter Schmieding erinnern? Der kam vom Kulturmagazin „Aspekte“, war Intendant der Berliner Festspiele – und moderierte im Frühjahr 1971 das „Sportstudio“. Es braucht an der Stelle wieder andere, überraschende Gesichter, jetzt, wo Michael Steinbrecher nach mehr als 21 Jahren und 320 Sendungen seinen Abschied nimmt. Nach Dieter Kürten (375 Sendungen) hat Michael Steinbrecher die meisten Sendungen moderiert. Manche davon waren sogar gut.

Keine Showgäste

Nichts gegen Sylvester Stallone, Elton John, Cindy Crawford oder Alice Schwarzer – internationale Künstler haben aber in 60 oder 75 Minuten „Sportstudio“ nichts zu suchen. Die können ihre Ansichten und Marken gerne vorher bei „Wetten, dass..?“ verbreiten. Sehgewohnheiten hin, Quote her. Dann bleibt wiederum mehr Zeit für Hintergrundberichterstattung, kritische Analysen und, meinetwegen, auch Taktik-Analysen.

Neuer Mann mit Augenzwinkern

Liebes ZDF, wenn Ihr für den Moderatorenstamm einen neuen Mann sucht: Nehmt Oliver Welke! Der könnte am Samstagabend auch wunderbar durch die Zeitreise aus fünf Jahrzehnten „Sportstudio“ samt Jubiläumstorwandschießen führen, ausnahmsweise schon eine Stunde früher und fast doppelt so lang.

„Das aktuelle Sportstudio“, Samstag, ZDF, 22 Uhr

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