Zum Tod von Friedrich-Wilhelm Sell : Ein Ritter für die gute Sache

Als WDR-Intendant hat Friedrich-Wilhelm Sell die richtungweisende Regionalisierung des Senders befördert, in Potsdam hat er an der Gründung des ORB mitgewirkt. Jetzt ist er mit 88 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

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Friedrich-Wilhelm Sell.
Friedrich-Wilhelm Sell.Foto: dpa

Ein Herr, von Geburt und Gesinnung – das war Friedrich-Wilhelm Freiherr von Sell, „Friwi“ genannt. Kaum vorstellbar, dass er, der bis zuletzt präsent war, nicht mehr leben soll. Es ist ein erfülltes Leben gewesen, so viel kann man sagen. Und eines, in dem er das Leben anderer geprägt hat. Wer kann das schon von sich sagen. Vom alten Rom abgeschaut ist dies, was wir ihm hier hinterherrufen wollen: Er hat sich um den WDR verdient gemacht. Und nicht nur um den.

Neun Jahre hat Sell den größten Sender Festlandeuropas geleitet. Es war beileibe nicht dessen schlechteste Zeit – dieses Understatement hätte dem Edelmann gefallen. Wie sagte Tom Buhrow, einer seiner Nachfahren im Amt: „In seiner Amtszeit hat Friedrich-Wilhelm von Sell viele zukunftsweisende Entscheidungen für den WDR getroffen. Dabei hatte er immer die langfristige Perspektive im Blick, etwa beim Aufbau der WDR-Landesstudios.“ Genau! Ohne ihn hätte es die Regionalisierung und Dezentralisierung des Westdeutschen Rundfunks nicht gegeben. Eine notwendige, wie sich heute mehr denn je zeigt. Das Regionale ist nicht Vergangenheit – es ist, wohlverstanden, die Zukunft eines jeden Senders in der ARD. Mit Herzblut, wie Buhrow zu Recht sagt, hat Sell diese Strategie verteidigt, keine Diskussion gescheut. Ja, Sell dachte journalistisch, ohne Journalist zu sein. Und unparteilich, obwohl er in einer Partei war, der SPD.

In Potsdam geboren, begann er nach dem Studium, unter anderem an der FU, als Justiziar beim Sender Freies Berlin. Später, 1971, kam er als Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant zum WDR. Dann war Sell Intendant. Seine Erfahrungen und sein Sachverstand halfen beim Aufbau und bei der Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im wiedervereinigten Deutschland. So wurde er 1991 Gründungsbeauftragter des RBB-Vorläufers Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB) in – Potsdam. So rundete sich ein Leben.

Mit 88 ist es zu Ende gegangen. Friedrich-Wilhelm von Sell – ein Ritter der guten Sache.

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