Zur Berichterstattung von Al Dschasira : Teil des politischen Katar

ARD-Experte Constantin Schreiber kritisiert Al Dschasira. Der arabischsprachige Sender mit Sitz in Doha sei nicht unabhängig.

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In Doha, der Hauptstadt von Katar, steht der Newsroom des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira.
In Doha, der Hauptstadt von Katar, steht der Newsroom des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira.Foto: dpa

Der Abbruch diplomatischer Beziehungen einiger arabischer Staaten zu Katar wegen des Verdachts der Terrorhilfe hat auch Auswirkungen auf die Arbeit des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira. Saudi-Arabien hat das lokale Büro von Al Dschasira in dem Königreich geschlossen und dem Sender aus Katar die Lizenz entzogen. Al Dschasira habe Terrororganisationen unterstützt und versucht, die nationale Souveränität Saudi-Arabiens zu stören, meldete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA mit Verweis auf das saudische Ministerium für Kultur und Information.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Al Dschasira Vorwürfen wegen einer unausgewogenen Berichterstattung stellen muss. Al Dschasira ist einer der wichtigsten Nachrichtensender im Nahen Osten mit rund 40 Millionen Zuschauern täglich.

Sender habe durch einseitige Berichterstattung massiv an Vertrauen verloren

Auch für den Nahost-Experten Constantin Schreiber („Inside Islam – Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“), früher Korrespondent auf der arabischen Halbinsel, jetzt bei ARD aktuell, habe Al Dschasira seit seiner einseitigen Berichterstattung zum Arabischen Frühling massiv an Vertrauen verloren. „Damals hatte sich der Sender politisch klar der Muslimbruderschaft nahestehend verortet.“ Eine klare politische Grundhaltung sei bis heute erkennbar, sagte Schreiber dem Tagesspiegel.

So biete Al Dschasira dem konservativ-islamistischen Prediger Jussuf al Karadawi regelmäßig eine Plattform. Auch der digitale Ableger Al Dschasiras, der sich an ein junges Publikum wendet, stehe auf subtilere Weise für eine anti-israelische Gesinnung und ist auf Linie der katarischen Außenpolitik. „Zusätzlich versucht Al Dschasira über neue Ableger wie Al Dschasira Türkei oder Al Dschasira Balkan Einfluss auf muslimische Bevölkerungsgruppen auch in Europa zu gewinnen.“ Unterm Strich sei der Sender ein Teil des politischen Handelns von Katar und nicht unabhängig.

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